Was ist denn so in Österreich los?

Nach meiner Vorstellung würde die Demokratie sowieso anders aussehen.
Ein bisschen englisch: Jeder Wahlkreis wählt einen Abgeordneten, der diesem Wahlkreis verantwortlich ist. Teilnehmen als passiv Wahlberechtigter wäre jeder, der Unterstützungserklärungen von 1% der Wahlberechtigten vorlegen kann. Das sollte auch für Parteizugehörige gelten, damit die nicht ausgediente Parteifuzzis aufstellen.
Der Sieger wird gewählt, bei Ausfall rückt der Zweitplatzierte nach.

Und für ein Ministerium bzw. den Kanzler (die müssten dann per Wahlgesetz genau definiert sein) kann sich auch jeder bewerben, wobei er auch vorher sagen müsste, was er dafür an Gehalt haben möchte. Das Volk kann sich dann entscheiden, was ihm ein guter Kandidat wert ist, wenn es sich um einen Fachmann handelt.

Da könnte die Presse ordentlich ermitteln und aufdecken, was für eine Pflaume der eine oder die andere im Grunde ist.

Nicht so wie derzeit, wo die Pflaumen aus dem Birnensack gezaubert werden und dann sonderbare Zuständigkeiten zugeteilt bekommen.

Aber, wie Großschädel schon erkannte, ...
 
Nach meiner Vorstellung würde die Demokratie sowieso anders aussehen.
Ein bisschen englisch: [...]
Aber, wie Großschädel schon erkannte, ...

Wer auch immer 'Großschädel' ist^^ ;)

Also mit dem britischen System hab ich mich noch nicht auseinander gesetzt. Aber - seit Trump - bin ich immer mehr begeistert vom US-System, also der strikten Trennung von Legislative, Exekutive und Judikative

Bei uns? Wir haben (leider) nur so ein verwaschenes System: Wo die Exekutive aus dem Kader der Legislative bestimmt wird, und dann noch dazu mit Partei-Zwang: Also: Die Parlamentarier sind gezwungen, dem zuzustimmen, was die Regierung macht...

Ich meine: geht's noch?

Bei uns in Ö isses noch ärger: Da ist der Staatsanwalt weisungsgebunden. D.h. also, übersetzt: die Regierung (aka Exekutive) entscheidet, was dann das Parlament absegnet, woraufhin dann der Justizminister (aus der Exekutive) dem Staatsanwalt (Judikatur) anweist, dass ebendieser zB gewisse Parlamentarier (also Legislative) für gewisse Delikte nicht belangen darf...

Oder so... oder so ähnlich... ^^ Also die US-Demokratie ist uns da in fast allen Dingen überlegen...
 
Ich glaube da solltest du dich ein wenig mehr mit dem amerikanischen System beschäftigen. Die sind keinesfalls unabhängig. Die obersten Richter werden von Trump ernannt.
Und selbst die kleinen Richter und Sheriffs müssen Wahlkampf betreiben um ihren Posten zu bekommen. Diesen müssen sie selber finanzieren, wobei sie sich sehr stark von finanziellen Unterstützern abhängig machen.
Ich z.B. komme aus der Gegend in Deutschland wo ein Autokonzern die Wirtschaft der Gegend maßgeblich bestimmt. Würde dieser Konzern durch finanzielle Unterstützung "Richer ins Amt heben", so kannst du dir an einer Hand ausrechnen wie oft der Richter gegen diesen Konzern urteilen würde...
 
Last edited:
...
Also die US-Demokratie ist uns da in fast allen Dingen überlegen...

Hallo,

das würde ich so nicht sagen. Während die Amerikaner ihre Gewaltenteilung fast schon wie einen Fetisch verehren, sind doch aber einige der Mechanismen so altbacken (aus dem 18. Jh.), dass sie eine Oligarchie der reichen Oberschicht geradezu unterstützen.

Die in meinen Augen schlimmste Einrichtung ist die "The Winner Takes it All"-Regel (Mehrheitswahl), die die Entwicklung von kleinen Parteien schon im Keim erstickt, und die dafür sorgt, dass keiner sich bei seiner Wahlkampfrhetorik Gedanken um potentielle Koalitionen machen muss.


Grße
Phiro
 
Ich glaube da solltest du dich ein wenig mehr mit dem amerikanischen System beschäftigen. ...

Naja, ich sage ja auch nicht, dass ich ein besonderer Kenner des US-Rechtssystems wäre. ;) Aber das, was du ansprichst, klingt mir schon ein wenig "euro-zentristisch" -> Wir in D/EU machen alles so toll & alles, was die Amis machen, ist Blöhdzinn. Ich sehe es mittlerweile ziemlich im Gegenteil:

Natürlich, die Richter / Staatsanwälte / Sheriffs etc. werden alle gewählt. Und natürlich, wer mehr Kohle hat, hat es leichter, eine Wahl zu gewinnen...

ABER: Dafür sind sie nachher unabhängig (zumindest für die gewählte Periode). Das hast du auch bei den Senatoren / Abgeordneten: Die werden im Land (Bundesstaat) gewählt. Punkt. Und wenn die Regierung (aka Washington) was macht, was ihnen nicht passt, dann stimmen sie dagegen. --> bei uns? Wenn die Regierung was beschließt, ist das im Parlament zu 99% schon durch. Und wenn es nicht über "Parteiräson" geht --> dass die Legislative den Gesetzesentwürfen der Exekutive "hinterher stimmt"; dann geht's über den Klubzwang... Naja... :D ;)

ABER (2): Das wirst du vmtl. nicht verfolgt haben, da hatten wir (Ö) vor paar Jahren ein extrem abschreckendes Beispiel: der Wr. Neustädter Tierschützerprozess: Link.

Kurzfassung: Der VGT (Verein gegen Tierfabriken) ist Kleider Bauer (ein ö. Bekleidungskonzern, eigentlich sogar ein eher kleinerer...) permanent auf den A*** gegangen wg. Pelze, etc. Weswegen es dann ne Anzeige gegen alle die "Geschäfts-Störer" gab. Diese wurden angeklagt wg. "Bildung einer kriminellen Organisation". (der neu geschaffene 'Terror-Paragraph' 278a im Ö-StGB). Bitte das selbst durchzulesen, das hat alles von einem Justiz-Krimi: U.a. haben sie eine verdeckte Ermittlerin eingeschleust - die 1,5 Jahre nichts strafrechtlich Relevantes herausgefunden hat (was die SOKO dem Gericht verschwiegen hat...); wegen "Tatbegehungsgefahr" (also: Buttermilch auf Pelze von Kleider Bauer zu werfen), haben sie u.a. Martin Balluch über 3 Monate in Untersuchungshaft genommen. Und die Krönung der Sache: Sie haben die Tierschützer auch gleich wegen "Tierquälerei" angeklagt (kein Spaß: Weil im Zuge einer Schweine-Befreigung aus einem Mast-Betrieb bei der Flucht ein paar Schweine zu Schaden kamen...)

Ergebnis: Freispruch. Soweit, was gut gegangen ist.

Nun das andere: Die Richterin wurde versetzt, sie darf nun keine Hauptverhandlungen mehr leiten, sondern nur noch über die Verhängung von Untersuchungshaft entscheiden. Der Staatsanwalt wurde befördert. (er ist nun Oberstaatsanwalt), der Leiter der SOKO [zur Erinnerung: der das Gericht mehrfach belogen hat], ist nun im Innenministerium. Er wurde zum Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz befördert... [quelle: Wikipedia / Persönliche Folgen für die Beteiligten]


Vielleicht siehst du jetzt, warum ich so skeptisch bin, ob das bei uns in D/Ö wirklich so viel besser läuft... :eek: ;)
 
Perfekte Regierungssysteme gibt es nur in der Theorie. Praktisch haben sie nie funktioniert. Daher haben wir in Europa bzw. Deutschland und Österreich auch kein perfektes Regierungssystem, das würde ich nie behaupten.

Ob eine Regierungssystem besser ist als das andere kommt letztendlich auch immer auf den Standpunkt des Betrachters an. Dessen Wertesystem und seine Lebensumstände.

Wäre ich reich, würden mir die USA wahrscheinlich auch besser gefallen als Europa. Ich gehöre aber zur Mittelschicht und da bietet Deutschland für mich viele bessere Möglichkeiten.
Um nur ein paar zu nennen, die mir das deutsche Regierungssystem ermöglicht:

- Ich möchte möglichst lange leben. Dabei hilft mir eine Gesundheitssystem, was sich in den USA die wenigsten Menschen leisten können. Wir haben ein Gesundheitssystem was so gut wie allen Menschen zur Verfügung steht.

- Ich genieße kostenlose oder zumindest günstige (wenn man die Studiengebühren betrachtet) Bildung. Was mir ermöglicht auch als armer Mensch oder als Durchschnittsverdiener zu studieren ohne mein Leben lang verschuldet zu sein.

- Ich werde ungerne erschossen. Das ist in einem Land etwas leichter in dem nicht jeder eine Sturmgewehr kaufen kann...

- Sollte ich mal meinen Job verlieren, würde ich nicht gerne aufs Betteln angewiesen sein. In Amerika gibt es zwar so etwas wie ein soziales System mit Arbeitslosengeld. aber nur für ein Jahr, dann bekommst du null...
hier habe ich zumindest eine Grundsicherung.

- Arbeitsgesetze. Ich möchte gerne bezahlten Urlaub haben und wenn ich krank bin auch Zuhause bleiben ohne mir Gedanken zu machen meinen Job oder meine Bezahlung zu verlieren. Deutschland ja - Amerika eher nein...

Wäre ich reich, sollte mir das alles egal sein, da ich mir auch in Amerika alles kaufen kann.

Die USA sind extrem vom Kapitalismus geprägt. Danach richtet sich alles auch und insbesondere die Politik. Die großen Konzerne bestimmen mit ihrer Lobby die Regierung nicht der Wähler.
Ist bei uns in Deutschland auch so (siehe VW) aber zum glück noch nicht so extrem wie in den USA.

Ich würde dir raten mal ein paar wirklich interessante Filme von Michael Moorer zu schauen. Er hat sich mehr oder minder mit all diesen Themen kritisch auseinandergesetzt.
Wobei ich ehrlicherweise zugeben muss, daß er vieles nur aus einem Blickwinkel darstellt und seine eigene Sicht der Dinge für die absolute Wahrheit darstellt. Trotzdem ist das was er da zeigt erschreckend...

Amerika und Kapitalismus:
https://www.youtube.com/watch?v=lA9sJ5zEwyY

Amerikanisches Gesundheitssystem:
https://www.youtube.com/watch?v=MKak_fXIAIs

Amerikanisches Waffensystem, leider nur als Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=i2YlO8haoAE

Amerika im Vergleich zu Europa leider auch nur der Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=vF0amx_VsKI

Die beiden letzteren Dokus lassen sich sicher auch irgendwo kostenlos schauen, insbesondere wenn du des englischen mächtig bist.
 
Um nur ein paar zu nennen, die mir das deutsche Regierungssystem ermöglicht:

- Ich möchte möglichst lange leben. Dabei hilft mir eine Gesundheitssystem, was sich in den USA die wenigsten Menschen leisten können. Wir haben ein Gesundheitssystem was so gut wie allen Menschen zur Verfügung steht.

- Ich genieße kostenlose oder zumindest günstige (wenn man die Studiengebühren betrachtet) Bildung. Was mir ermöglicht auch als armer Mensch oder als Durchschnittsverdiener zu studieren ohne mein Leben lang verschuldet zu sein.

Naja, dann guck mal hier hin: https://www.thebalance.com/welfare-programs-definition-and-list-3305759

Ein paar Quotes daraus:
»TANF is the Temporary Assistance for Needy Families program. ... On average, it provided income to 2.8 million recipients in 2016. ... On average, a three-person family received $429 a month in 2015.«
»Medicaid paid for health care for 64.9 million low-income adults in 2014. [...]«
»Food Stamps is the Supplemental Nutrition Assistance Program. It gives food vouchers to 47.6 million people [...] They receive $133 a month on average.«

Und "kostenlos oder zumindest günstige" ist das bei uns alles nicht. Wir haben eine Steuern- u. Abgabenquote von rd. 40%. D.h., über den Daumen gerechnet, bei 3.000 verdienten Euro pro Monat zahlst du 1.200,- EUR / Mon. an den Staat... Im Jahr rd. 15.000 EUR... --> Bei uns in D/Ö macht man das nur klüger: Man zieht den Leuten am Monats-Ersten das Geld aus der Tasche, und dann erzählt man ihnen die restlichen 30 Tage, was sie nicht alles "gratis" kriegen täten... ;)

--

Damit ich nicht falsch verstanden werde:
Ich sage nicht, dass in den US alles super ist. Ich will nur gegen diesen gängigen Mythos anschreiben, dass *unser* Sozialsystem so super sei, und in den US alles so schlecht...

Ich zB kapiere bis heute nicht, warum ich von meinen, gesetzlich vorgeschriebenen Sozialversicherungsbeiträgen jeden dämlichen Unfall zahlen soll, den irgendein unfähiger Skifahrer produziert...

Aus meiner Sicht: Gehört das sofort (!) aus der gesetzl. Unfallversicherung heraus genommen! Da gehört eine Zusatz-Versicherung her; und da steht dann ganz klar drinnen: Kreuzbandriss, Außenband-Einriss - Selbstbehalt 200 EUR; Handgelenks-Bruch: 100 EUR; Hubschrauber-Einsatz: 600 EUR...
DANN würden auch die Unfälle auf Ski-Pisten schlagartig gegen Null tendieren...
;)
 
Last edited:
Hallo,

das würde ich so nicht sagen. Während die Amerikaner ihre Gewaltenteilung fast schon wie einen Fetisch verehren, sind doch aber einige der Mechanismen so altbacken (aus dem 18. Jh.), dass sie eine Oligarchie der reichen Oberschicht geradezu unterstützen.

Die in meinen Augen schlimmste Einrichtung ist die "The Winner Takes it All"-Regel (Mehrheitswahl), die die Entwicklung von kleinen Parteien schon im Keim erstickt, und die dafür sorgt, dass keiner sich bei seiner Wahlkampfrhetorik Gedanken um potentielle Koalitionen machen muss.

Naja, wie "toll" das mit den »Gedanken um potentielle Koalitionen« funktioniert, habt ihr in D ja gerade... ;) Oder habt ihr schon eine Regierung? :D *gg* Oder wählt ihr noch einmal, weil das letzte Ergebnis nicht gepasst hat? *zungezeig* :D ;)

Aber du hast natürlich Recht: Die "Winner-Takes-It-All"-Sache ist natürlich der größte Schwachsinn, den die Demokratie je gesehen hat... Das kam aus dem 18. Jh, wo es eben nicht anders ging: Wo die Staaten aus, sagen wir einfach mal: Nevada, Wyoming, Tennessee, Alabama, einfach ein paar Wahlmänner schicken haben müssen, um den Präsidenten zu wählen... --> Heute, in Zeiten von Internet; und Bahn, und Flugverkehr; ist das natürlich Schwachsinn.

Das Problem daran: Es ist heute / nach demokratischen Spielregeln / einfach nicht mehr änderbar. WEIL: Jeder (größere) Staat, der es selbständig (vernünftig) ändern würde --> würde damit *automatisch*, quasi wie von selbst festlegen, dass die *andere Partei* den Präsidenten stellt...

Ein Teufelskreis... (und das meine ich jetzt einmal ausnahmsweise *nicht* sarkastisch^^) :cool: :rose:
 
Last edited:
Warum wanderst du eigentlich nicht in die USA aus? Trump wäre entzückt, so einen Ideenbringer in sein Team zu holen!
 
Warum wanderst du eigentlich nicht in die USA aus? Trump wäre entzückt, so einen Ideenbringer in sein Team zu holen!

Weil ich immer noch glaube, dass wir in EU, immer noch, von Lebensstandard, Social Security, etc... besser dran sind als in den US.

Was ist Politik? Das Machbare unter dem Machbaren zu realisieren. ;) Und da zeigt Trump je genau gerade, wie es *nicht* geht.... ;) :rose:
 
Ich behaupte ja nicht daß in den USA alles schlecht ist. Kommt halt auch auf den Vergleich an. Wenn ich z.B. in Nordkorea lebe, dürfte so ziemlich alles besser sein...

Amerika bietet wie nur sehr wenige Länder weltweit extreme Chancen an mit Leistung reich zu werden. Mit einer guten Idee viel Fleiß und etwas Glück kannst du es schaffen...
Aber das gilt eben nicht für alle. Es gibt nur begrenzten Reichtum und wenn der auf alle verteilt wird ist es eben kein Reichtum mehr.

Und wenn du nicht reich bist hast du es in den USA aus meiner Sicht schwerer als z.B. in Deutschland.

Amerika gilt für viele Leute als anzustrebendes Ideal. Und irgendwie wandert alles was es dort gibt auch irgendwann verspätet zu uns. Leider.
Z. B. Daß man oft von einem Job nicht mehr leben kann und zwei kleine Jobs haben muss oder daß die Großkonzerne immer mehr Macht bekommen.

Zur deutschen Regierung:
war bisher noch kein Problem keine neue Regierung zu haben. Hat sich bisher noch nicht negativ ausgewirkt. Gab es in den Niederlanden und Belgien auch schon und sogar noch länger. und die beiden Länder existieren immer noch...
 
Naja, wie "toll" das mit den »Gedanken um potentielle Koalitionen« funktioniert, habt ihr in D ja gerade... ;) Oder habt ihr schon eine Regierung? :D *gg* Oder wählt ihr noch einmal, weil das letzte Ergebnis nicht gepasst hat? *zungezeig* :D ;)

Hallo,

was momentan hier läuft, beweist mehrere Dinge:

1) Dass die Schöpfer des Grundgesetzes tatsächlich dafür gesorgt haben, dass Deutschland immer eine handlungsfähige Regierung hat, selbst nach einer verfahrenen Wahl.

2) Dass die großen Parteien immer noch miteinander reden können.

3) Und dass gewisse Großmäuler beim ersten Anzeichen einer echten Herausforderung den Rückzieher machen und danach nur noch über die anderen lästern können. Ja, ich meine die Herren Lindner und Kubicki von der Partei der Besser-Verdienenden.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass unsere Demokratie mit dieser Herausforderung fertig wird.

Grüße
Phiro
 
Die Frage was bzw. welche Regierung gut für Deutschland und damit auch Europa ist, kann man auch nicht so leicht beantworten.
Man kann der deutschen Regierung, personell auch stellvertretend Merkel, vieles vorwerfen. Aber erfolgreich war sie auf jeden Fall. Die Wirtschaftskrise hat Deutschland extrem gut gemeistert und die wirtschaftlichen Erfolge sind unbestreitbar.
Auf der anderen Seite läuft aber auch vieles nicht so wie es laufen könnte. Die Flüchtlingsfrage, will ich bewusst mal weglassen. Zeitarbeit und Billiglöhne hat zwar nicht die Merkelregierung erfunden aber eben auch nichts drauß gemacht/verbessert, ebenso das Schulsystem und die Pflege von alten Menschen.

Eine Regierung die schon so lange im Amt ist wie unsere, wird etwas selbstgefällig und mutlos, da sie sich nicht beweisen muss. Merkel bezieht viel zu selten klare Stellung zu irgend einem Thema und hält sich alle Wege offen, die Teflonkanzlerin an der alles abgleitet...

Vielleicht wäre eine Minderheitenregierung zur Abwechslung gar nicht so schlecht. Da müsste die Kanzlerin für jede größere Entscheidung eine Mehrheit finden und für deren Durchsetzung kämpfen und Argumente bringen...
Nachteil wäre eine gewisse Unvorhersehbarkeit, was für Europa und auch die Wirtschaft nicht ganz so gut wäre. Merkel könnte wenig verbindliche Zusagen geben, da sie sich keiner Sicherheit im eigenen Lande sicher sein kann.
 
Eine Regierung die schon so lange im Amt ist wie unsere, wird etwas selbstgefällig und mutlos, da sie sich nicht beweisen muss. Merkel bezieht viel zu selten klare Stellung zu irgend einem Thema und hält sich alle Wege offen, die Teflonkanzlerin an der alles abgleitet...

Wow, sehr gut geschrieben. Ausserdem meine liebste Regierung, alles richtig gemacht, keine Mücke zum Elefanten machen...
 
Ich denke mal, daß jede Regierung die wir hatten auch Gegenwind bekommen hat umso mehr wenn sie länger an der Macht war. Im Fall von Merkel könnte es auch schlimmer kommen indem sie viel falsch macht.
Ich schätze viele Deutsche sehen sie als das Übel was sie kennen und mit dem sie sich arrangieren können.
Politisch gesehen ist es für die anderen Parteien mit denen sie zusammen regiert nicht ganz so leicht. Alles was gut läuft schreibt sich die CDU auf die Fahnen, alles was nicht so toll läuft hat die "Restregierung" auch mit verzapft.
Schlecht und traurig fand ich den Wahlkampf. Merkel hat alle Themen der SPD auch zu ihren Themen gemacht und in etwa gleiche Stellung bezogen. Schulz war erst am Abend der Niederlage wirklich angriffslustig und hat beim ersten Zusammentreffen aller Parteiführer auf den Tisch gehauen. Als der Drops schon gelutscht war.
Ich hätte mir etwas mehr Wahlthemen gewünscht, ausser der ewig breitgetretenen Flüchtlingsfrage.
Zeitarbeit, Bildungssystem, Einflüsse von Konzernen und Banken...
alles Themen die man auch zu seinem Thema hätte machen können.
 
...
Ich hätte mir etwas mehr Wahlthemen gewünscht...

Aber sind die wahlthemen nicht eigentlich irrelevant, wie oft werden die schon tatsächlich eingehalten? Aus meiner sicht ist lediglich die Richung interessant, z.b. wirtschaftlich orientiert oder sozial.
Heutzutage wird man doch nur mehr gewählt wenn man entsprechende werbung macht: ein youtube clip über das bildungssystem erhält halt derzeit nur einen bruchteil an clicks des clips über die flüchtlingskrise...

Wir in österreich haben wegen genau des fehlnisses "die momentant beliebteste thematik flüchtlinge" überhaupt ins programm zu nehmen, z.B. die einzig ernsthaft linke partei verloren. Daher sind wir jetzt ein zu 2/3 rechter staat und es wird langwierig das wieder auszugleichen.

Also wie ich das sehe muss jede partei die gewinnen will die aktuellsten themen aufgreifen und das sagen was sich die meisten leute denken. Alles andere wäre unverantwortlich...
 
Vielleicht wäre eine Minderheitenregierung zur Abwechslung gar nicht so schlecht. Da müsste die Kanzlerin für jede größere Entscheidung eine Mehrheit finden und für deren Durchsetzung kämpfen und Argumente bringen....


Kreisky hat das in Österreich einmal vorexerziert. Die ÖVP wollte als Zweiter zu viel von ihren Ideen im Regierungsprogramm sehen und da hat der Alte von der SPÖ, der nur wenige Mandate auf die Absolute fehlten, mit der FPÖ einen Deal gemacht. Er setzte ein paar Ideen von der FPÖ (Damals unter Friedrich Peter, dem Ex-SSler), insb. eine Reform des Wahlrechts zugunsten kleiner Parteien (=FPÖ, die damals bei wenigen Prozent herumkrebste und immer in Gefahr war, den Einzug in den Nationalrat zu verpassen; Die Grünen gab es noch nicht, denn das war 1970)

Dann regierte er ein halbes Jahr ca eher populistisch, alle waren höchst zufrieden und Kreisky rief zu Neuwahlen auf, die ihm die Absolute brachten.

Man sieht, dass eine Minderheitsregierung auch nicht das Heil bringen muss. Zumindest nicht den politischen Gegnern und Steigbügelhaltern. Und dann wurden auch die weniger beleibten Gesetze beschlossen, kurz vor der nächsten Wahl natürlich wieder solche, die allen mehr Geld brachten usw.usw.
 
Flüchtlingskrise schein ja die meisten Menschen zu interessieren und wohl auch die Meinungen zu spalten. Klar daß es wichtig ist und behandelt werden muss.
Aber im Endeffekt betrifft es die meisten Bürger ja nicht direkt sondern eher indirekt (die Staatskasse).
Mir wären direkte Probleme die mich selber betreffen aber viel wichtiger. Arbeite ich bei einer Leiharbeitsfirma unter unhaltbaren Bedingungen?
Habe ich Kinder für die ich mir kostenlose Kindergartenplätze wünsche?
Mache ich mir um die Umwelt Gedanken oder über meine Rente?
Sehe ich das Gesundheitssystem in Gefahr oder das Bildungssystem?
Habe ich Probleme damit überwacht zu werden?

Dann hätte ich auch ganz gerne Antworten oder Lösungsvorschläge der Parteien dazu gelesen. Alles wichtige Themen, die viele Leute direkter betreffen als die Flüchtlinge.

Wobei habe gerade das gesehen:
https://www.youtube.com/watch?v=0vsfUvBrrNQ

Wenn das das politische Wissen Deutschlands auch nur ansatzweise widerspiegelt, ist eigentlich eh alles egal...
 
Last edited:
@Zenobit

Perfekte Regierungssysteme gibt es nur in der Theorie. Praktisch haben sie nie funktioniert. Daher haben wir in Europa bzw. Deutschland und Österreich auch kein perfektes Regierungssystem, das würde ich nie behaupten.

Ob eine Regierungssystem besser ist als das andere kommt letztendlich auch immer auf den Standpunkt des Betrachters an. Dessen Wertesystem und seine Lebensumstände.

Wäre ich reich, würden mir die USA wahrscheinlich auch besser gefallen als Europa. Ich gehöre aber zur Mittelschicht und da bietet Deutschland für mich viele bessere Möglichkeiten.
Um nur ein paar zu nennen, die mir das deutsche Regierungssystem ermöglicht:

- Ich möchte möglichst lange leben. Dabei hilft mir eine Gesundheitssystem, was sich in den USA die wenigsten Menschen leisten können. Wir haben ein Gesundheitssystem was so gut wie allen Menschen zur Verfügung steht.

- Ich genieße kostenlose oder zumindest günstige (wenn man die Studiengebühren betrachtet) Bildung. Was mir ermöglicht auch als armer Mensch oder als Durchschnittsverdiener zu studieren ohne mein Leben lang verschuldet zu sein.

- Ich werde ungerne erschossen. Das ist in einem Land etwas leichter in dem nicht jeder eine Sturmgewehr kaufen kann...

- Sollte ich mal meinen Job verlieren, würde ich nicht gerne aufs Betteln angewiesen sein. In Amerika gibt es zwar so etwas wie ein soziales System mit Arbeitslosengeld. aber nur für ein Jahr, dann bekommst du null...
hier habe ich zumindest eine Grundsicherung.

- Arbeitsgesetze. Ich möchte gerne bezahlten Urlaub haben und wenn ich krank bin auch Zuhause bleiben ohne mir Gedanken zu machen meinen Job oder meine Bezahlung zu verlieren. Deutschland ja - Amerika eher nein...

Wäre ich reich, sollte mir das alles egal sein, da ich mir auch in Amerika alles kaufen kann.

Die USA sind extrem vom Kapitalismus geprägt. Danach richtet sich alles auch und insbesondere die Politik. Die großen Konzerne bestimmen mit ihrer Lobby die Regierung nicht der Wähler.
Ist bei uns in Deutschland auch so (siehe VW) aber zum glück noch nicht so extrem wie in den USA.

Ich würde dir raten mal ein paar wirklich interessante Filme von Michael Moorer zu schauen. Er hat sich mehr oder minder mit all diesen Themen kritisch auseinandergesetzt.
Wobei ich ehrlicherweise zugeben muss, daß er vieles nur aus einem Blickwinkel darstellt und seine eigene Sicht der Dinge für die absolute Wahrheit darstellt. Trotzdem ist das was er da zeigt erschreckend...

Amerika und Kapitalismus:
https://www.youtube.com/watch?v=lA9sJ5zEwyY

Amerikanisches Gesundheitssystem:
https://www.youtube.com/watch?v=MKak_fXIAIs

Amerikanisches Waffensystem, leider nur als Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=i2YlO8haoAE

Amerika im Vergleich zu Europa leider auch nur der Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=vF0amx_VsKI

Die beiden letzteren Dokus lassen sich sicher auch irgendwo kostenlos schauen, insbesondere wenn du des englischen mächtig bist.


Danke für die Links.
Michael Moore ist sehenswert.
Man muss ihm nicht in allem zustimmen. Aber es lohnt, sich mit ihm auseinanderzusetzen.

lg
"Rosi" (Johannes)
 
Danke für die Links.
Michael Moore ist sehenswert.
Man muss ihm nicht in allem zustimmen. Aber es lohnt, sich mit ihm auseinanderzusetzen.

Nunja, ich bin da ein bisschen skeptisch... Michael Moore, klaro, kann man sehen - MUSS man eigentlich gesehen haben^^ v.a. "Bowling For Columbine" (im Anschluss an eines der größten Massaker an einer High School, eben der Columbine High).

Bei den ganzen anderen Sachen, die in deinem Quote stehen, wäre ich eher skeptisch. Dieses angeblich so schlechte US-Gesundheitssystem... diese angebliche Zwei-Klassen-Medizin in den US (die es bei uns nicht gibt?), diese angeblich so kostengünstige Schul-/Uni-Bildung bei uns... u.s.w. Da ist vieles nicht so, wie es in den (europäischen) Medien immer so gerne (zwecks: Wiiehr Europääher sind ja soohhviiiehl behhsszerrr als die Amis!!!) kolportiert wird...
 
- Arbeitsgesetze. Ich möchte gerne bezahlten Urlaub haben und wenn ich krank bin auch Zuhause bleiben ohne mir Gedanken zu machen meinen Job oder meine Bezahlung zu verlieren. Deutschland ja - Amerika eher nein...

Nur ein Beispiel: Wenn du in D/Ö ungerechtfertigt gekündigt wirst, dann hast du zwar sog. gewisse "soziale" ... Einrichtungen... (bei uns in Ö zB den Betriebsrat, die Sozialpartner, die Arbeiterkammer, u.s.w.). Aber wenn's hart auf hart kommt, landest du vor Gericht. Und dort - wenn du Recht bekommst - bekommst du dann den Verdienstentgang bezahlt... (also rd. 2-3.000 EUR / Jahr // 25 - 30.000 EUR / Jahr).

Wenn du in den US ungerechtfertigt gekündigt wirst [natürlich, den Prozess musst du erst einmal gewinnen^^] dann bekommst du $ 175.000,- http://www.nachrichten.at/nachricht...-Verdaechtigen-schiessen-wollte;art17,2814627

... und - aber dieses Detail wird in den dt. Texten gar nicht erwähnt, siehe zB theguardian:
dieser Deal wurde überhaupt nur gemacht, weil die Versicherung (!) die West Virginia Police gedrängt hat, diesen billigen (!) Deal überhaupt anzunehmen! Weil, wenn er in die 2. od. 3. Instanz gegangen wäre, dann wäre es für die Versicherung wahrscheinlich zwei od. drei Mal so teuer geworden...


Also, wenn *ich* mir aussuchen könnte, in welchem Land *ich* ungerechtfertigt gekündigt werden wollte, *ich* würde die US wählen... ;)
 
Aus der Warte des Gutverdieners oder gar Reichen sieht alles rosiger aus. Als Schlechtverdiener musst du dir den Prozess erst einmal leisten können oder 60 bis 80% des erstrittenen Geldes an deinen Anwalt abführen.
 
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