LakotaMoon
Literotica Guru
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Standing Ovations!
Da gibts eigentlich nix mehr hinzuzufügen! Eine überschaubare Anzahl von Regeln. Kein Paragraphen-Dschungel. Find ich gut.
goro goro said:Endlich hat der Kreis sich geschlossen; wir sind wieder am Ausgangspunkt angelangt und können neue und fruchtbarere Richtungen einschlagen. Ergänzend zu N8Dreams "real turnoff"-Liste möchte ich mich deshalb an einer "How To Write a Pretty-Story"-Liste versuchen. Ich habe dazu überlegt, welche Ziele ich mir selbst als Autor setze, und versucht, diese in Regeln zu formulieren. Als oberste Regel steht dabei:
Du sollst nicht langweilen.
Dazu wurde schon genug gesagt.
Vermeide Klischees.
Es gibt viele abgegriffene sprachliche Formulierungen und Plotstrukturen, zum Beispiel Vergleiche mit Tieren (Rehaugen, Schwanenhälse) oder der gute Freund, der einer Liebeskranken über den Schmerz hinweghilft, indem er es ihr mal so richtig besorgt. Während unoriginelle Plots nur von Anfang an vermieden werden können (es lohnt sich daher, sich den Plot vor dem Schreiben zu überlegen), kann bei langweiligen Metaphern ein Lektor sehr hilfreich sein.
Stelle Gedanken durch Handlung dar.
Ein zugegeben schwieriger und vom persönlichen Geschmack abhängiger Punkt. Gerade in der modernen Literatur gibt es viele Kommentare, Gedankenströme und innere Monologe. So etwas kann sehr erheiternd sein und ein tieferes Verständnis der Charaktere fördern. Allerdings verlangsamen sie das Tempo der Geschichte, und es ist schwierig, diese erzählerischen Mittel dramatisch wirkungsvoll einzusetzen. Wenn man nicht gerade einen Roman schreibt, für den sich der Leser automatisch mehr Zeit nimmt als für eine Kurzgeschichte aus dem Internet, sollte man vorsichtig damit umgehen und nach Mitteln suchen, innere Vorgänge der Charaktere durch äußere Vorgänge in Handlung, Setting und Plot auszudrücken.
Verwende höchstens 50% der Geschichte für Sex-Szenen.
Diese Regel soll dazu ermuntern, sich eine wirkliche Geschichte auszudenken, die über Sex hinausgeht. Reine Sex-Szenen sind als "Wichsvorlage" brauchbar, aber wenn man über Pornographie hinauswill, muß man mehr bieten.
Formuliere knapp und präzise.
Eine endlose Aneinanderreihung von Adjektiven und Nebensätzen ist genauso ermüdend wie überlange Absätze. Meine Daumenregel ist: "Nur ein Adjektiv je Nomen." Das macht nicht nur die Sätze kürzer, sondern zwingt auch dazu, nach dem treffendsten Adjektiv zu suchen. Diese Regel hilft auch bei der Klischeevermeidung.
Schreibe Literatur, nicht Film.
Literatur ist ein anderes Medium als der Film und verlangt vom Publikum eine ganz andere Teilnahme. Film ist ein audiovisuelles Überangebot an Information und zwingt den Zuschauer zur selektiven Wahrnehmung, während bei Literatur der Autor auswählt, was der Leser an Information erhält. Das zwingt den Autor, über seine Beschreibungen von Charakteren, Orten und Handlungen nachzudenken, gibt ihm aber die Freiheit, den "Blick" des Lesers zu lenken. Auch gibt es viele literarische Mittel, an die man als Amateur-Schreiber, wie wir es sind, nicht denkt, weil sie im Film nicht verwendet werden; es lohnt sich ein Blick in die entsprechende Fachliteratur (z.B. in die englischen "How to"-Texte von Literotica).
Für den Anfang soll das reichen. Ich habe noch weitere Regeln, aber die sind eher technisch und helfen einer Diskussion um gute Geschichten nicht weiter.
Da gibts eigentlich nix mehr hinzuzufügen! Eine überschaubare Anzahl von Regeln. Kein Paragraphen-Dschungel. Find ich gut.