PoppingTom
TEH BRAIN
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- Jan 8, 2010
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Unser Egoismus hat die sog. Ellenbogengesellschaft hervorgebracht.
Also ich weiss ja nicht, ob man, wenn es um das eigene Überleben geht, von Egoismus reden kann. Ich will überleben, also bin ich egoistisch? Das kanns net sein.
Im übrigen haben wir - noch - keine Ellenbogengesellschaft. Wir haben lediglich Angst, dass wir eine bekommen könnten, wenn der normale Mensch auf der Strasse nicht mehr weiss, wovon er sein nächstes Essen und seine nächste Miete bezahlen soll.
bei der Wirtschaft will man keine Barrieren haben, alles soll sich selbst regeln.
Dass das nicht geht ja nicht gehen kann ist offensichtlich: Die Menschen verhalten sich auch in der Wirtschaft so wie im privaten Leben: Gibt es keine sichtbaren Barrieren, dann verhalten sie sich auch entsprechend, d.h. der Stärkere (oder der, der seine Ellenbogen stärker einsetzt als andere) gewinnt
Das "Gewinnen" ist doch nicht das Problem. Das Problem ist, dass vom Gewinnen die eigene Existenz abhängt, und dass derjenige, der nicht gewinnt, irgendwo anders gewinnen muss, damit er weiter existieren kann. Das ist das Grundproblem am Kapitalismus, und genau das muss von Regierungsseite so eingedämmt werden, dass alle davon profitieren können.
Ich stimm dir zwar grundsätzlich zu, für mich hat das aber nichts mit Egoismus zu tun. Im Wettkampf gewinnt immer das Maximalstprinzip, unabhängig davon, ob man es selbst befürwortet oder ablehnt.
Untauglicher Vergleich, denn Junkies sind nicht mehr Herren ihrer selbst.
Sehr wohl tauglich, denn Junkies (auch wenn's da Abstufungen gibt) haben den von dir so favorisierten Egoismus zur Perfektion erhoben. Sie denken nur an sich und sind Meister darin, sich auf Kosten anderer zu "bereichern". Deiner Meinung nach müssten sie, zumindest geldmässig, die vollkommen Erfolgreichen sein.
Ebenfalls untauglicher Vergleich: Hatz-4-Empfänger bekommt das, was ihm zusteht, schon richtig, denn er kann die Höhe der Einnahme normalerweise nicht manipulieren. Aber Bankmanager kann das schon, denn er bekommt mehr, wenn er mehr „verkauft“ – zu welchen Preis und ob dabei was auf der Strecke geblieben ist, interessiert nicht, er hat ja seinen Vertrag, den er mit einem Menschen ausgehandelt hat, der u.a. auch von seinem „Erfolg“ profitiert: Je mehr seine Mannschaft „verdient“, desto mehr „verdient“ auch er.
Schön wärs, und wenn's so wäre, würde sich wohl keiner aufregen.
Hartz-4-Empfänger können nichts manipulieren? Florida-Rolf ist nur ein Fake?
Und die Bankmanager, die, trotz dass sie ihre Bank fast in den Ruin getrieben haben, jetzt immer noch Millionen-Boni kassieren (oder Millionen-Abfindungen, wenn sie vorzeitig wegen Unfähigkeit entlassen werden), verdienen ihre Millionen nur durch Manipulation?
Sorry, aber: Vertrag ist Vertrag. Ein Hartz-4-Empfänger würde auch das Doppelte nehmen, wenn er das Recht oder die Chance dazu hätte. Selbst wenn es den Staat in den Ruin treiben würde. Der Staat hat ja wirklich die Wahl, wieviel er ausgibt. Die Bank auch. Wir leben in einer Gesellschaft, wo dir ständig eingeredet wird "Du bist schön blöd, wenn du das Geld nicht nimmst". Ist das jetzt Egoismus?
Ja, natürlich hat Kommunismus versagt: Er ist an Egoismus der Menschen gescheitert, denn die haben möglichst nicht so viel gearbeitet wie sie eigentlich könnten und gleichzeitig mehr genommen als sie brauchten.
Denkst du das wirklich?
Ich mein: Ja, der Kommunismus hat versagt. Aber nicht aufgrund irgendwelcher Egoisten. Das Problem war zum Teil die verhinderte Kommunikation, zum Teil der fehlende bzw gebremste Wettbewerb, zum Teil die zentrale Steuerung von so ziemlich allem, die ebenfalls mehr gebremst als beschleunigt hat. Die Menschen im Sozialismus konnten sein, wie sie wollten, systembedingt hat es nichts genützt. Ich lass mir nicht erzählen, der Sozialismus sei an den Menschen gescheitert, weil der Mensch von Natur aus egoistisch sei. Der Sozialismus wäre auch bei purem Altruismus gescheitert.
Der Sozialismus war ein System, und dieses System ist gescheitert. Weil es nur alter, feudalistischer Wein in neuen, sozialistischen Schläuchen war.
