Die Piraten bundesweit auf Erfolgskurs

@Kojote

Die Grünen hatten Träume, die mit ganz anderen, technischen Möglichkeiten verknüpft waren, als wir sie heute haben.
Eine Cyber-Demokratie ist mittlerweile immerhin eine denkbare Möglichkeit. Und ich finde den Gedanken immens anziehend. Und zwar trotz der Risiken, die damit einhergehen.

Zumindest sehe ich kommen, dass wir irgendwann Dinge wie ein Volksveta gegen untragbare Entscheidungen gewisse Politiker erleben könnten. So etwas wie einen Einspruch gegen die Beschlüsse zur Griechenlandhilfe seitens derjenigen, die sie letztlich finanziell tragen müssen, beispielsweise. Das wäre doch mal was gewesen, oder...?

Hi,

Volksentscheide werden oft als Allheilmittel gesehen, sind es aber nur bedingt.
"KrystanX" erklärt das meines Erachtens hier im Thread sehr gut (Vor-und Nachteile von Volksentscheiden am Beispiel der Schweiz.)
Ich glaube, es steht in P 78.
Jedenfalls da in der Nähe.

Das mit der "Cyberdemokratie" und den neuen technischen Möglichkeiten, die du ansprichst, ist ein interessanter und spannender Punkt.
Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Der Erfolg der "Piraten" zeigt, dass von Politikmüdigkeit oder Desinteresse an Politik nicht die Rede sein kann.

Die etablierten Parteien werden so vielleicht gezwungen, ihre Entscheidungen, die wirklich von horrender Tragweite sind (Dein Beispiel "Griechenland-Hilfen") dem Wähler vorher besser zu erklären und transparenter zu machen.
Im Moment hat man das Gefühl, die in Berlin und vor allem in Brüssel entscheiden alles per "Order de Mufti", und das stinkt vielen Bürgern zu Recht.
Schließlich wird das für uns alle sehr teuer, wenn es schief geht.

lg
"rosi" (Johannes)
 
Die Reichweite ist Problem der "Cyberdemokratie", welches bis jetzt hier jedoch noch nicht angesprochen wurde. Klar, die Piraten nehmen momentan einen Teil der Bevölkerung ein, der sich bis jetzt nicht richtig vertreten fühlt. 18-40, Männlich, ist momentan die Zielgruppe. Wenn wir jetzt jedoch das Model der Piraten verallgemeinern würden, würde dabei jedoch viele andere Bevölkerungsschichten vernachlässigt werden. Denn die 70 Jährige Oma, oder die 30 Jährige Hausfrau und Mutter, würde vermutlich mit dieser "Cyberdemokratie" nicht viel anfangen können.

"Cyberdemokratie" ist wie jeder Cyberpunkfan weiß immer ein Zweischneidiges Schwert. Sie bietet große Möglichkeiten, während sie für Polemik zugleich sehr anfällig ist.

Wenn du nähmlich jemanden zu oft vor die Wahl stellst, und jede dieser Entscheidungen ernst nimmst, wird es fast unweigerlich zu einer Katastrophe führen.

Übertragen wir das Beispiel nur mal auf eine Ehe:
Jeden Tag wird man gefragt, ob man seinen Partner noch liebt und mit ihm zusammen leben will. Sollte man an einem Tag gerade schlechte Laune haben und vielleicht noch etwas Zoff mit seinem Partner, wird man vielleicht an diesem Tag einfach mal für eine Scheidung stimmen. Im Klassischen System ist der Ärger über den Partner bereits verraucht, bevor man überhaupt zum Scheidungsrichter ein paar Wochen später kommt.
Im "Cyberdemokratie" System, würde dieser Prozess jedoch sofort nach der emotionalen Abstimmung in gang Gesetzt werden und am Ende des Tages wäre man geschieden.

Das Problem ist einfach, dass wir für Entscheidungen Wissen und Zeit brauchen, um sie halbwegs sinnvoll treffen zu können. Und ich bezweifle, dass die Mehrheit der Bevölkerung darauf lust hat.
 
Last edited:
Allerdings darf realistisch angenommen werden, dass jede Veränderung der Grundprinzipien unserer Demokratie Jahrzehnte dauern wird. Und bis dahin kann wiederum angenommen werden, dass selbst die älteste Generation mit dem Netz vertraut ist.
Oder zweifelt jemand daran, dass wir in einigen Jahrzehnten aufhören werden, das Netz zu benutzen, nu weil wir alt sind?

Anyway...
Ich betrachte das nicht als Allheilmittel. Im Gegenteil.
Wenn die Mehrheit der Deutschen sich dafür entscheiden würde, aus der EU auszutreten, wäre das ein Problem. Kein unlösbares, aber dennoch auch kein Pappenstiel.
Das Ding ist eben nur, dass die Entscheidungen der Regierung manchmal auch ein Problem sind. Und zwar ebenfalls kein kleines.
Deswegen wäre in meinen Augen die Möglichkeit, bei wirklich weitreichenden Entscheidungen im Vorfeld - also vor Verabschiedung - dem Volk die Möglichkeit zu geben, ein Veto einzulegen, sinnvoll und aufgrund der technisch vergleichsweise einfachen Möglichkeiten der Umsetzung auch folgerichtig.
Nur unbequem wäre es den Herrschaften in der Politik natürlich, wen sich plötzlich der Pöbel erdreistet, mit entscheiden zu wollen. Und daher rührt auch der Widerstand, denke ich.

Was allerdings in meinen Augen dabei missverstanden wird, ist die Struktur eines demokratischen Staates. Wir sind keine Firma, bei der die Besitzer (sprich die Regierung) die Mitarbeiter (sprich das Volk) beschäftigt. Wir als Volk sind die Besitzer und übergeben der Regierung die Verwaltung. Und wenn uns an deren Arbeit etwas nicht passt, dann müssen die etwas verändern - oder uns zumindest hinlänglich und überzeugend die Unausweichlichkeit der strittigen Maßnahme erläutern.

Allerdings ist hierfür auch ein Umdenkprozess nötig, der letztlich dazu führen müsste, dass sich der einzelne Deutsche auch wieder mehr mit Deutschland identifiziert. Zumindest ein wenig auch an sein Mit-Volk denkt und vielleicht sogar ein wenig weniger schwarz arbeitet oder Steuern hinterzieht. Nur ein kleines bisschen.
Und wenn ich das sage, sehe ich schon die Nationalismus-Keule angerast kommen...
 
Allerdings ist hierfür auch ein Umdenkprozess nötig, der letztlich dazu führen müsste, dass sich der einzelne Deutsche auch wieder mehr mit Deutschland identifiziert. Zumindest ein wenig auch an sein Mit-Volk denkt und vielleicht sogar ein wenig weniger schwarz arbeitet oder Steuern hinterzieht. Nur ein kleines bisschen.
Und wenn ich das sage, sehe ich schon die Nationalismus-Keule angerast kommen...

Ich persönlich sehe das Konzept von Nationalstaaten etwas überholt.
 
Ich persönlich sehe das Konzept von Nationalstaaten etwas überholt.

Wie stellst du dir das Alternativ-Konzept vor?
Ich will dir nicht widersprechen, aber ich glaube in den Menschen zu entdecken, dass sie sich irgendeiner Sache zugehörig fühlen wollen. Und höhere Ideale scheinen zu ungreifbar zu sein, wenn sie nicht hinlänglich etabliert sind.
Eine Nation hingegen ist etwas, dass selbst die Dümmsten verstehen. Ist wie ein Fußballverein, nur größer...
 
Was hältst du von "Menschen". Stell dir vor, wir würden uns alle als Menschen verstehen. Ich weiß, klingt illusorisch, aber irgendwann müssen wir uns ja aus dem Stammesdenken der Steinzeit Evolutionieren.
 
Das Problem ist einfach, dass wir für Entscheidungen Wissen und Zeit brauchen, um sie halbwegs sinnvoll treffen zu können. Und ich bezweifle, dass die Mehrheit der Bevölkerung darauf lust hat.
Die Piraten haben dafür das System des Stimmendelegierens erfunden: Ich kann einem anderen Piraten-Mitglied, mit dessen politischen Einstellung ich übereinstimme, meine Stimme geben, damit er an meiner Stelle abstimmt. Das ist ein Delegieren auf Zeit, d.h. ich kann ihm meine Stimme jederzeit wieder entziehen. Der Vorteil für mich: Ich muss mich nicht auf allen Gebieten auskennen (das tut ein Bundestagsabgeordneter auch nicht), ich schließe mich zeitweise nur einer Person an, deren Meinung ich schätze und hoffe, sie würde das schon richtig machen. Bei der nächsten Sache kann ich wieder selbst abstimmen oder einem anderen Mitglied meine Stimme leihen.

Natürlich gibt es auch hier Gefahren. So gibt es bei den Piraten Personen, die keinerlei Funktionen innerhalb der Partei haben und dennoch mehrere hundert Stimmen auf sich vereinigen, was ihnen automatisch größeren Einfluss auf die Entscheidungen der Partei verleiht. Doch diesen Einfluss haben sie sich redlich verdient – sie haben ihn also zu recht und nur in engen zeitlichen Grenzen. Die Gefahr ist dennoch da: Die, des Populismus. Einer, der geschickt die Gunst der Masse zu gewinnen imstande ist, kann auch der Partei seinen Willen aufzwingen.
 
Wie stellst du dir das Alternativ-Konzept vor?
Ich will dir nicht widersprechen, aber ich glaube in den Menschen zu entdecken, dass sie sich irgendeiner Sache zugehörig fühlen wollen. Und höhere Ideale scheinen zu ungreifbar zu sein, wenn sie nicht hinlänglich etabliert sind.
Eine Nation hingegen ist etwas, dass selbst die Dümmsten verstehen. Ist wie ein Fußballverein, nur größer...

Ich sehe es da wie Andreas Popp von der Wissensmanufaktur: Wir müssen zurück zur Regionalität!

Was hab ich als Rheinländer mit Bayern und Sachsen zu tun? ... nix! Durch die Nähe zu Holland und der Nordsee habe ich eine gewisse Nähe zu den Norddeutschen. Deutschland ist, als Nation, für mich nur eine Ansammlung von Regionen - und nur zu Regionen kann man sich zugehörig fühlen.

Eine Nation ist nur ein Wirtschafts- und Sprachraum, der eine Abgrenzung zu anderen Wirtschafts- und Sprachräumen darstellt, zu dem ich aber keine heimatliche Beziehung aufbauen kann.

Am schlimmsten ist es, wenn man mich als Europäer bezeichnet! Es gibt die Ethnie "Europäer" nicht, auch wenn es uns die Globalisten einreden wollen, um uns unserer Wurzeln zu berauben und uns zu einer grauen Masse zu formen, die sich leichter lenken und manipulieren läßt. "Europäer" ist dabei nur die Vorstufe zu "Weltbürger", zu dem man uns erziehen will.

Schon früh haben die Globalisten erkannt, daß gerade regional verwurzelte Menschen, die zudem einen festen Halt in Religionen, Nachbarschaften und familiären Strukturen haben, sich nur schwer formen lassen. Daher ist die Überfremdung durch ungehemmten Zuzug auch kein Zufall, sondern Absicht - das haben die Vertreter der NWO oft genug erwähnt und in den Protokollen ihrer Treffen als dringliches Ziel festgelegt. Nur völlig entwurzelte, überfremdete Menschen sind bereit, wie Wandersklaven der Arbeit hinterher zu reisen und für die Arbeit zu leben, anstatt zu arbeiten, um zu leben.

Daher sage ich, wenn man mich fragt, wo meine Heimat ist: am Niederrhein. :) Schon der Begriff "Deutscher" ist für mich zu abstrakt, um mich damit identifizieren zu können.
 
SO ISSES und ich als West-Berliner
fühle mich dem Norden verbunden
und durch meine Frau auch den 3
BE-NE-LUX Staaten, aber ich
empfinde garnichts für die fünf
neuen Bundesländer.
 
Und ich glaubte, mit Bismark wäre die Kirchturmpolitik ein für allemal überwunden. Was für rückwärtsgewandte Leute gibt es hier! Die glauben doch tatsächlich, das Rad der Geschichte könnte man zurückdrehen und wie im 19ten Jahrhundert wieder Kriege wie Preußen gegen Bayern führen.
 
Der Schwachsinn kennt echt keine Grenzen,
dieses gilt explizit auch für Social Networks.

Du hast nicht die Geschichte dazu gefunden, auf der dieser roflcopter-Hype basiert ...

Ein Mensch, der wohl öfters provozierende Anschreiben an Parteien schreibt, der hatte den Piraten nahe gelegt, sie sollten doch ihren Namen ändern. Dies hat er aber in recht provokantem Ton gemacht, um sich selbst einen darauf runterzuh***, was für ein toller Hecht er doch ist.

Bei den Piraten wurde diese Mail mit einer nur für intern gedachten Antwort versehen, die da lautete "roflcopter gtfo". Übersetzt heisst das, dass die Piraten rollend am Boden liegen vor Lachen, das Copter ist eine Verstärkung des rofls, gtfo heisst so viel wie verpiss dich.

Diese Antwort wurde dann aber an den Anfragenden rausgegeben. Nun ist das Geschrei groß, wie kann man nur so mit Anfragen umgehen auf der einen Seite, auf der anderen Seite wünschen sich viele, sie dürften ähnlich auf unverschämte Anfragen reagieren ...
 
@Erpan

Und ich glaubte, mit Bismark wäre die Kirchturmpolitik ein für allemal überwunden. Was für rückwärtsgewandte Leute gibt es hier! Die glauben doch tatsächlich, das Rad der Geschichte könnte man zurückdrehen und wie im 19ten Jahrhundert wieder Kriege wie Preußen gegen Bayern führen.

Ich glaube nicht, dass "PB57" noch sonst irgend jemand hier von nem Krieg der Preußen gegen die Bayern träumt.
Das passiert höchstens noch im Fußballstadion, und dieser "Krieg" ist nach 90 Minuten bereits wieder zu Ende.
Heimat ist doch ein multipler Begriff.
Man kann sich seiner Heimatstadt verbunden fühlen, seiner Region, aus der man kommt und/oder in der man lebt und gleichzeitig dem ganzen Land.

lg
"rosi" (Johannes)
 
Du hast die Pointe verstanden, der Erpel dagegen
steht wieder mal mit beiden Füßen in der heißen
Orangensauce. WELLDONE.


Wir spielen Blutwurst, ich gebe ...
 
@pb57

Du hast die Pointe verstanden, der Erpel dagegen
steht wieder mal mit beiden Füßen in der heißen
Orangensauce. WELLDONE.


Wir spielen Blutwurst, ich gebe ...

Yepp.
Let`s Play a Game called "BLUTWURST." (lach)
Wenn, das einer braucht- ja, gradzu permanent herausfordert!- dann der "Erpel." (Grins)

lg
"rosi" (Johannes)
 
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