Ist "Pinkelnde Petra" Kunst?

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(1)Die strikte Trennung zwischen E - und U- Literatur gibts so nur in Deutschland.
Die Briten und die Amis gehen entspannter damit um.
Entspannter, ja, aber sie unterscheiden das auch. So sehen sich die Klassik- und Jazzliebhaber schon als etwas Besseres. In gewisser Weise sind wir hier ehrlicher, weil wir diese Unterscheidung mit E und U benannt haben.

(3) Pornografie und Kunst
Ich kenne nur einen Film, der den schmalen Grat zwischen Porno und Kunst zugunsten der Kunst meistert. IM REICH DER SINNE von NAGISA OSHIMA (Japan 1976), der auf einem realen Vorfall beruht.
Obwohl der Film viele pormografische Elemente enthält- GV, Fellatio, Cumshots, etc- ist er KEIN Porno.
Na ja, als der Film vor beinahe 35 Jahren herauskam, wurde er während der Berlinale von der Staatanwaltschaft beschlagnahmt – wegen harter Pornografie. Er wurde zwar später freigegeben, aber auch heute noch hat er FSK 18, d.h. er wird wie Porno behandelt.

Ich kenne einen anderen Film, den ich nicht für pornografisch halte, obwohl er, wie Im Reich der Sinne, GV und Fellatio enthält. Der kam in Frankreich mit FSK 16 heraus, wurde aber später auf betreiben der Rechten (Le Pen!) auf FSK 18 geändert und zusätzlich auf Index gesetzt. Ich behaupte mal, wenn die beiden Darstellerinnen nicht aus der Pornobranche kämen, liefe das alles ganz anders, schließlich gab es ähnliche Szenen in französischen Filmen schon oft – an einen mit Romy Schneider und Michel Piccoli erinnere ich mich (ich glaube es heißt Trio Infernal).
 
Danke für den Hinweis, "Erpan"

[Entspannter, ja, aber sie unterscheiden das auch. So sehen sich die Klassik- und Jazzliebhaber schon als etwas Besseres. In gewisser Weise sind wir hier ehrlicher, weil wir diese Unterscheidung mit E und U benannt haben.

Na ja, als der Film vor beinahe 35 Jahren herauskam, wurde er während der Berlinale von der Staatanwaltschaft beschlagnahmt – wegen harter Pornografie. Er wurde zwar später freigegeben, aber auch heute noch hat er FSK 18, d.h. er wird wie Porno behandelt.

Ich kenne einen anderen Film, den ich nicht für pornografisch halte, obwohl er, wie Im Reich der Sinne, GV und Fellatio enthält. Der kam in Frankreich mit FSK 16 heraus, wurde aber später auf betreiben der Rechten (Le Pen!) auf FSK 18 geändert und zusätzlich auf Index gesetzt. Ich behaupte mal, wenn die beiden Darstellerinnen nicht aus der Pornobranche kämen, liefe das alles ganz anders, schließlich gab es ähnliche Szenen in französischen Filmen schon oft – an einen mit Romy Schneider und Michel Piccoli erinnere ich mich (ich glaube es heißt Trio Infernal).[/QUOTE(

(1) Gut den Unterschied zw E und U machen die Amis auch, aber ob wir ehrlicher sind?
Ich denk, einen entscheidenden Unterschied gibt es: Bei uns gilt nur als "seriös" was kompliziert geschrieben und schwer zugänglich ist.
Das gilt für die Literatur wie auch für wissenschaftliche Schriften.
Einfachheit und Verständlichkeit ist in Deutshland verdächtig und wird oft zu Unrecht als zu leicht befunden.

(2)
IM REICH DER SINNE hat noch FSK18? Das haben viele andere Filme auch, die kein Porno sind.
Er hat aber schon lange das Prädikat "Besonders wertvoll." Immerhin.

(3) Danke f d Hinweis auf den frz Film Du dürftest "Baise-moi" ("Fick mich") meinen?
Von Virgine Despantes mit der ehemaligen Pornoqueen Karen Lancaume.
Die hat inzwischen Selbstmord begangen, aber NICHT wegen ihren Pornos.

Stimmt, der Film ist meiner Meinung nach auch mehr als Porno. Er lief auch in Deutschland in seriösen Programmkinos.

Und "Tio Infernal" ist ebenfalls ein grenzwertiger Klassiker.
lg
"rosi"(Johannes)
 
Verschiedenes (2)

"Erpan",Nochmal zurück zu deiner früheren Bemerkung, Pornografie gab es schon immer.
Gut, ich denke, sie hatte früher ne andere Funktion.
Ausserdem kommt es darauf an, wie man Pornogrfie definiert.
Für mich ist Pornografie eine Reduktion und Banalisierung der menschlichen Sexualität.
Ein Stereotyp. Ein Klischee. Menschen verhalten sich nicht so wie im Porno.

Die "pornografischen" Darstellungen der alten Inder ("Kamasutra") und Asiaten, besonders der Chinesen ("Tantra") betonten IMMER den SPIRITUELLEN CHARAKTER der Sexualität.
Das kann man von Pornos nicht grade behaupten.

Aber auch Asien ist mit Vorsicht zu geniessen. Nehmen wir das heutige Japan, das immer als leuchtendes Beispiel für angeblich nur positive Folgen bestimmter ausgelebter Sexualpraktiken herhalten muss.
Das stimmt nur bedingt.
Bekanntlich haben die Japaner eine Vorliebe für S/M-Sex und vor allem BONDAGE zu einer wahren Kunst erhoben.
Zudem haben japanische Männer sonderbarerweise ne Vorliebe für "Schulmädchen-Sex."
Also, die Mädchen sind (hoffentlich) alle volljährig, aber sie machen auf "Schulmädchen."
Neueste Studien japanischer Soziologen und Psychologen zeigen eine signifikante Zunahme in Japan was Gewalt gegenüber Frauen betrifft. Und auch die Vergewaltigungsrate hat zugenommen.
Man muss also immer genau hinsehen.
lg
"rosi"(Johannes)
 
Last edited:
Dank rosettenfreak und poppingTOM ,dadie beiden nicht in der Lage sind mich zu ignorieren, werde ich nun auch den Kommentarbereich zutrollen. ess wird hier kein Beitrag von euch mehr stehen,lda ich alles zuspammenwerden.
Abstellen kann man das indem Deppen wie rosettenfreak und PoppingTOm lernen wie man ignoriert,

Abc
 
Ich denk, einen entscheidenden Unterschied gibt es: Bei uns gilt nur als "seriös" was kompliziert geschrieben und schwer zugänglich ist.
Das gilt für die Literatur wie auch für wissenschaftliche Schriften.
Einfachheit und Verständlichkeit ist in Deutshland verdächtig und wird oft zu Unrecht als zu leicht befunden.
Im Großen und Ganzen stimmt das, aber es gibt auch Ausnahmen, wo gerade die Einfachheit die eigentliche Genialität darstellt – siehe Bolero von Ravel, E = m . c hoch 2 von Einstein oder auch Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“, der durch einen einfachen, zu damaliger Zeit aber noch neuen Kunstgriff des Briefromans die Illusion erzeugte, es handele sich um einen wahren Fall.

Danke f d Hinweis auf den frz Film Du dürftest "Baise-moi" ("Fick mich") meinen?
Ja, den Film meinte ich – habe nur vergessen, ihn zu nennen.

Und "Tio Infernal" ist ebenfalls ein grenzwertiger Klassiker.
Was heißt hier grenzwertig – hätte da statt Romy Schneider eine ehemalige Pornodarstellerin den Schwanz von Michel Piccoli gelutscht, der Film wäre den gleichen Weg gegangen wie Baise-moi. :D

"Erpan",Nochmal zurück zu deiner früheren Bemerkung, Pornografie gab es schon immer.
Gut, ich denke, sie hatte früher ne andere Funktion.
Ja, welche denn? Die pornografischen Darstellungen in dem Bordell von Pompeji haben absolut die gleiche Funktion gehabt wie die heutigen pornografischen Darstellungen in heutigen Bordellen.

Für mich ist Pornografie eine Reduktion und Banalisierung der menschlichen Sexualität.
Ein Stereotyp. Ein Klischee. Menschen verhalten sich nicht so wie im Porno.
Natürlich gibt es diese Reduktion und Banalisierung, Aber Menschen verhalten sich, wenn es ums Ficken geht, schon so wie in Pornos. Ich meine, das Reinraus gibt es auch in der Realität und auch minutenlang. Und wenn etwas Bestimmtes als Stereotyp oder als Klischee gilt, dann deswegen, weil es dieses Etwas so häufig in der Realität gibt. Dein Vorwurf, Pornografie bediene sich Stereotypen und Klischees, bestätigt gerade, dass in Pornos auch reales Leben abgebildet wird.


Bekanntlich haben die Japaner eine Vorliebe für S/M-Sex und vor allem BONDAGE zu einer wahren Kunst erhoben.
Zudem haben japanische Männer sonderbarerweise ne Vorliebe für "Schulmädchen-Sex."
Also, die Mädchen sind (hoffentlich) alle volljährig, aber sie machen auf "Schulmädchen."
Neueste Studien japanischer Soziologen und Psychologen zeigen eine signifikante Zunahme in Japan was Gewalt gegenüber Frauen betrifft. Und auch die Vergewaltigungsrate hat zugenommen.
Man muss also immer genau hinsehen.
Mag sein, dass es eine Zunahme gibt, aber die Kriminalitätsrate in Japan ist so niedrig, dass sie über Jahre hinaus Zuwächse verzeichnen könnten, bis sie unser heutiges Niveau erreichten.
 
da poppingtomund rosette nicht lernfähig sind wird es hier munter weiter gehen, auch morggen,nur noch schlimmer.liebe Lit User bedankt euch bei den beiden Volltrotteln

Abc
 
Stimmt eigentlich, "Erpan",

wenn man es sich recht überlegt dürfte der Zweck früherer pornografischer Abbildungen derselbe gewesen sein wie heute: Menschen geilen sich daran auf. Es erregt sie. Etwas völlig selbstverständliches. Eine normale menschliche Reaktion.
Nimmt man der Pornografie den Ruch des Verbotenen wird sie auch ihren "besonderen Charakter" verlieren, den sie eigentlich gar nicht hat (und nicht haben müsste).
Wenn man es auf das reduziert, was im Porno passiert: Menschen vögeln miteinander. Etwas, dass viel Millionen Menschen tagtäglich überall auf der Welt tun.
lg
"rosi"(Johannes)
 
da poppingtomund rosette nicht lernfähig sind wird es hier munter weiter gehen, auch morgen,nur noch schlimmer.liebe Lit User bedankt euch bei den beiden Volltrotteln

Abc
 
da poppingtomund rosette nicht lernfähig sind wird es hier munter weiter gehen, auch morgen,nur noch schlimmer.liebe Lit User bedankt euch bei den beiden Volltrotteln

Abc
 
Mag sein, dass es eine Zunahme gibt, aber die Kriminalitätsrate in Japan ist so niedrig, dass sie über Jahre hinaus Zuwächse verzeichnen könnten, bis sie unser heutiges Niveau erreichten.

Das liegt aber weniger an einer tatsächlich geringeren Verbrechensrate und mehr an kulturellen Hintergründen und Bedingungen.
Stichwort: Dunkelziffer. Daran möchten wir uns hier kaum ein Beispiel nehmen ...
 
Das liegt aber weniger an einer tatsächlich geringeren Verbrechensrate und mehr an kulturellen Hintergründen und Bedingungen.
Stichwort: Dunkelziffer. Daran möchten wir uns hier kaum ein Beispiel nehmen ...

Du weisst da offensichtlich was, was wir nicht wissen....
 
Du weisst da offensichtlich was, was wir nicht wissen....

Hmm ...
Ja. Mag sein.
Ich habe mich einige Zeit mit Japan beschäftigt und einige Freundschaften geschlossen.
Meine Infos sind also sozusagen aus zweiter Hand: Von den 'Betroffenen' und nicht aus offiziellen Statistiken.

Allerdings muss ich auch eingestehen, dass eine Menge 'Übergriffe' für Deutsche kaum der Rede wert wären.
Für Japaner sieht das aber anders aus, denn sie entstammen einer andere Kultur und haben andere Werte und Normen.

Für einen Japaner ist eine 'zufällige' Berührung in der U-Bahn etwas sehr viel auffälligeres als für einen Deutschen. Die Kultur legt einen extrem hohen Wert auf die Wahrung einer virtuellen Privatsphäre, die auf einem fest verankerten Respekt vor den Persönlichkeitsrechten der Mitbürger basiert.
Man schaut - vereinfacht gesagt - gefälligst nur so in einen Blusenausschnitt, dass die angesehene Dame es nicht bemerkt.
Aus diesem Kontext heraus ist die Zunahme von Übergriffen (aus kulturell geprägter Sicht der Opfer und nicht notwendigerweise nach internationalem Recht) nicht nur alarmierend, sondern sogar katastrophal.

Wenn man nun noch berücksichtigt, dass ein Japaner als Opfer oftmals schweigt, weil er/sie an Gesicht verlieren würde, ist die Lage schon nicht mehr so rosig.
 
Allerdings muss ich auch eingestehen, dass eine Menge 'Übergriffe' für Deutsche kaum der Rede wert wären.
[...]
Wenn man nun noch berücksichtigt, dass ein Japaner als Opfer oftmals schweigt, weil er/sie an Gesicht verlieren würde, ist die Lage schon nicht mehr so rosig.
Wenn der erste zitierte Satz stimmt, hat der zweite für uns kaum noch Relevanz - man kann ihn getrost vergessen.
 
Hmm ...
Ja. Mag sein.
Ich habe mich einige Zeit mit Japan beschäftigt und einige Freundschaften geschlossen.
Meine Infos sind also sozusagen aus zweiter Hand: Von den 'Betroffenen' und nicht aus offiziellen Statistiken.

Allerdings muss ich auch eingestehen, dass eine Menge 'Übergriffe' für Deutsche kaum der Rede wert wären.
Für Japaner sieht das aber anders aus, denn sie entstammen einer andere Kultur und haben andere Werte und Normen.

Für einen Japaner ist eine 'zufällige' Berührung in der U-Bahn etwas sehr viel auffälligeres als für einen Deutschen. Die Kultur legt einen extrem hohen Wert auf die Wahrung einer virtuellen Privatsphäre, die auf einem fest verankerten Respekt vor den Persönlichkeitsrechten der Mitbürger basiert.
Man schaut - vereinfacht gesagt - gefälligst nur so in einen Blusenausschnitt, dass die angesehene Dame es nicht bemerkt.
Aus diesem Kontext heraus ist die Zunahme von Übergriffen (aus kulturell geprägter Sicht der Opfer und nicht notwendigerweise nach internationalem Recht) nicht nur alarmierend, sondern sogar katastrophal.

Wenn man nun noch berücksichtigt, dass ein Japaner als Opfer oftmals schweigt, weil er/sie an Gesicht verlieren würde, ist die Lage schon nicht mehr so rosig.

Hmmm....

Das ist jetzt alles schön nett, aber auch recht schwammig geschrieben. Auch wenn ich die japanischen Gesellschaftseigenheiten halbwegs kenne, weiss ich jetzt nicht so ganz, was es mit der Dunkelziffer auf sich hat. Dunkelziffer heisst für mich ja übersetzt: Es gibt mehr Verbrechen, als zugegeben wird. Teilweise suggerierts du aber, dass es mehr Anzeigen zu aus unserer Sicht Bagatelldelikten gibt.

Das mit den Opfern, die sich wegen Gesichtsverlust nicht trauen auszusagen, ist eine Sache. Im gewissen Sinne schiebt es die Hemmschwelle einer Anzeige etwas nach oben, aber letztendlich ist das eine persönliche Frage, ob man jemanden anzeigt oder nicht. Es ist, denke ich zumindest, nicht so, dass jemand, der in Japan eine Anzeige aufgibt, dann in Todesangst vor Rache der Familie des angeklagten leben muss - klär mich auf, wenns anders ist.

Anders wäre es, wenn die Verbrechen passieren und dann von der Gesellschaft oder der Polizei geschöhnt oder verfälscht bewertet werden. Dann wäre eine Art Dunkelziffer bedenklich.
 
Wenn der erste zitierte Satz stimmt, hat der zweite für uns kaum noch Relevanz - man kann ihn getrost vergessen.

Ach ...
Ist das so?
Ist der Schaden also erst angerichtet, wenn die westlichen Normen einer Gesetzesübertretung erfüllt sind?
Interessante Einstellung ...


Hmmm....

Das ist jetzt alles schön nett, aber auch recht schwammig geschrieben. Auch wenn ich die japanischen Gesellschaftseigenheiten halbwegs kenne, weiss ich jetzt nicht so ganz, was es mit der Dunkelziffer auf sich hat. Dunkelziffer heisst für mich ja übersetzt: Es gibt mehr Verbrechen, als zugegeben wird. Teilweise suggerierts du aber, dass es mehr Anzeigen zu aus unserer Sicht Bagatelldelikten gibt.

Das mit den Opfern, die sich wegen Gesichtsverlust nicht trauen auszusagen, ist eine Sache. Im gewissen Sinne schiebt es die Hemmschwelle einer Anzeige etwas nach oben, aber letztendlich ist das eine persönliche Frage, ob man jemanden anzeigt oder nicht. Es ist, denke ich zumindest, nicht so, dass jemand, der in Japan eine Anzeige aufgibt, dann in Todesangst vor Rache der Familie des angeklagten leben muss - klär mich auf, wenns anders ist.

Anders wäre es, wenn die Verbrechen passieren und dann von der Gesellschaft oder der Polizei geschöhnt oder verfälscht bewertet werden. Dann wäre eine Art Dunkelziffer bedenklich.

Es gibt mehr - aus unserer Sicht - Bagatelldelikte. Und im Vergleich zu unserem Kulturkreis weniger Anzeigen bei Verbrechen. Insbesondere bei 'kleineren' Vergehen.
Und die Gesellschaft hat eine Neigung gewisse Dinge zu übersehen. Das betrifft insbesondere Belästigungen und ist eine Art Fehlentwicklung des Respekts gegenüber der Privatsphäre.
Man schaut weg. Nicht wie bei uns, wo man hinschaut, aber nicht eingreift. Nicht wahrgenommen ist quasi gleichbedeutend mit nicht passiert. Und unglücklicherweise halten es die Opfer ebenso, denn eine Belästigung einzugestehen hat wiederum einen Gesichtsverlust zur Folge.
Solange keiner was sagt, ist auch nichts geschehen.

Was die Definition von Belästigung angeht, ist die Sache zudem etwas komplexer, weil man hierzulande eben anders handgreiflich wird als in Japan.
Busengrabscher gibt es dort zwar auch, aber die Belästigungen sind oftmals deutlich subtiler.
Von deutschen Frauen, die in Japan gelebt haben, weiß ich, dass sie Geschehnisse gar nicht als Belästigung registriert haben, die ihren japanischen Freundinnen sehr wohl als solche aufgefallen sind. Solche Dinge wurden dann hinter vorgehaltener Hand (buchstäblich) im Nachhinein diskutiert.

Und jetzt die Preisfrage: Wenn die Intention sexuellen Belästigungscharakter hat, das Opfer aber die Handlung (aus welchen Gründen auch immer) nicht bemerkt, hat dann eine Belästigung stattgefunden?
 
Und jetzt die Preisfrage: Wenn die Intention sexuellen Belästigungscharakter hat, das Opfer aber die Handlung (aus welchen Gründen auch immer) nicht bemerkt, hat dann eine Belästigung stattgefunden?

Was spricht dagegen, "Nein" zu sagen ?

Wenn mir jemand was stiehlt, und ich das ganze nicht als Diebstahl ansehe und damit auch nicht anzeige - war es kein Diebstahl.

Es ist eine Sache, etwas nicht zu fühlen, eine andere, es nicht anzuzeigen. Wenn mich jemand schlägt, und ich wollte das so, hat derjenige kein Verbrechen begangen. Wenn mich derjenige schlägt, sich selber anzeigt, und ich sehe es nicht so - ist es ein Verbrechen. Warum ? Weil die Frage, was ein Verbrechen ist, vom Staat beantwortet wird. Unabhängig von meiner eigenen moralischen Sicht.

Im Falle einer Belästigung, denke ich mal, gilt bei uns wie bei den Japanern: wenn ich sie nicht so sehe und mich nicht dagegen verwahre, ist es keine. Ich sehe auch nicht, wei man das anders sehen soll.
 
Was spricht dagegen, "Nein" zu sagen ?

Lass mich überlegen ...
Ein völlig anderer, kultureller Hintergrund, in dem es aus gesellschaftlicher Sicht schlimmer ist, überhaupt etwas zu sagen, als zu schweigen?
Eine völlig andere und in vielerlei Hinsicht weniger weit fortgeschrittene Geschichte der Emanzipation?
Und zusätzlich dazu noch die gleichen Gründe, die hierzulande auch so oft für Schweigen sorgen?

Ich will hier nicht der Duldsamkeit das Wort reden oder Leute von ihrer Eigenverantwortung befreien.
Aber es ist auch falsch kulturelle Gegebenheiten einfach so abzutun, nur weil sie anders sind, als bei uns.
Sie spielen sehr wohl eine Rolle.

Wenn mir jemand was stiehlt, und ich das ganze nicht als Diebstahl ansehe und damit auch nicht anzeige - war es kein Diebstahl.

Nach deutschem Recht ist das inkorrekt.
Diebstahl bleibt Diebstahl. Du kannst nur entscheiden ihn nicht anzuzeigen.
Beobachtet ein Polizist einen Diebstahl ist er theoretisch verpflichtet, das zur Anzeige zu bringen, selbst wenn 100% sicher ist, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen Geringfügigkeit einstellt.

Und es geht nicht um Eigentumsdelikte, sondern um Verletzungen des Persönlichkeitsrechtes, die selbst für einen unbeteiligten Beobachter nicht immer klar zu definieren sind und bei denen ein gehöriger Ermessensspielraum vorliegt.
Es gibt dabei nämlich auch die sehr reale Gefahr, dass der 'Täter' behauptet, es sei einfach nur eine zufällige Berührung gewesen. Und die sehr reale Möglichkeit, dass er damit vor einem Gericht durchkommt und das Opfer dann gleich nochmal dumm aus der Wäsche guckt.
Und dann gibt es noch die ebenfalls reale Möglichkeit, dass es eine zufällige Berührung war. In Japan gibt es nämlich eine interessante 'Betatsch-Kultur', die es zur Kunstform erhebt, die Berührungen wie Zufälle zu gestalten.

Noch immer so 'einfach'?


Es ist eine Sache, etwas nicht zu fühlen, eine andere, es nicht anzuzeigen. Wenn mich jemand schlägt, und ich wollte das so, hat derjenige kein Verbrechen begangen. Wenn mich derjenige schlägt, sich selber anzeigt, und ich sehe es nicht so - ist es ein Verbrechen. Warum ? Weil die Frage, was ein Verbrechen ist, vom Staat beantwortet wird. Unabhängig von meiner eigenen moralischen Sicht.

Im Falle einer Belästigung, denke ich mal, gilt bei uns wie bei den Japanern: wenn ich sie nicht so sehe und mich nicht dagegen verwahre, ist es keine. Ich sehe auch nicht, wei man das anders sehen soll.

Wie gesagt: Gesellschaftlicher und kultureller Druck sind in Japan ein weitaus größerer Faktor als bei uns.
Und deswegen bleibe ich dabei: Die Differenz zwischen offizieller Verbrechensrate und Dunkelziffer ist in Japan höher, als bei uns in Deutschland.
 
Ist der Schaden also erst angerichtet, wenn die westlichen Normen einer Gesetzesübertretung erfüllt sind?
Nein, obwohl unser Denken genau so ist. Du selbst verweist darauf, dass in Japan einen anderen kulturellen Hintergrund hat als Europa. So werden in Japan Manga- bzw. Hentai-Hefte offen in der U-Bahn gelesen – wie bei uns Groschen-Romane – und niemand stört sich daran, obwohl da oft SM- und Bondage-Szenen zu sehen sind.

Japaner kommen damit offenbar gut zurecht. Sie brauchen keine dem christlichen Glauben entstammende Moralvorstellungen aus Europa, denn sie haben selber Moralvorstellungen, die ihrer Kultur und Traditionen entsprechen. Diese sind zu respektieren, wie auch wir nicht wollen, dass unsere in Frage gestellt werden.

Dennoch wird Japan seit Jahren von westlichen Staaten bedrängt, seine Gesetzgebung in Bezug auf SM bzw. Minderjährigkeit der Akteure zu ändern. Es ginge nicht an, wird argumentiert, dass in Japan Dinge erlaubt sind, die in Europa unter harte bzw. Kinderpornografie fallen: z.B. Bilder stark gefesselter Frauen oder Bilder von minderjährig aussehenden Mädchen, vorzugsweise in Schuluniform, ohne Höschen, aber das Geschlecht gepixelt oder mit schwarzen Balken übertüncht.

Dieses Drängen nenne ich Kulturimperialismus: Alles muss so sein wie in Europa oder USA, alles andere muss von übel sein. Und wenn ein Land wie Japan sagt, wie wollen das nicht, wir kommen gut mit unseren Gesetzen zurecht, sagen wir: Ihr wisst nicht, dass das schädlich ist – wir allein wissen, was gut für euch ist.

Stellen wir uns den umgekehrten Fall vor: Die Japaner kämen und sagten, eure Gesetzgebung ist falsch, deshalb habt ist eine so große Kriminalitätsrate. Unsere Reaktion wäre klar: Macht dass ihr weiter kommt, hier sind wir die Herren.

Daher mein Reden: Was bei uns ein Verbrechen ist, muss das woanders noch lange nicht sein. Und wir sollten es dabei belassen. Alles andere ist Kulturimperialismus.

PS: Zu unserem Thema gibt es beim Spiegel Interessantes: Skandalfilme - Chaos im Kinosaal
 
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