PoppingTom
TEH BRAIN
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Sehr interessanter Kommentar vom SPIEGEL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826163,00.html
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Das ist auch meine Meinung. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil – Zitat aus dem Spiegel vom 17.07.2011:Aber es ist ein Fakt: die U-Boote würden in einen eventuellen Krieg mit eingesetzt werden. Wer gegen diesen Krieg ist, muss logischerweise auch gegen diese U-Boot-Lieferungen sein.
Deutschland hat sich verpflichtet, keine Rüstungsgüter in Krisengebiete zu liefern - wie man nicht nur hier sieht, nur auf dem Papier.
Danke, PoppingTom, für den Link.Sehr interessanter Kommentar vom SPIEGEL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826163,00.html
Danke, PoppingTom, für den Link.
Ich halte den Kommentar von Jakob Augstein als sehr wichtig und richtig, weil er ohne Emotionen geschrieben ist. Er findet nicht alles gut, was Günter Grass da geschrieben hat, aber der Tenor ist: Wir sollten dankbar sein, dass Grass laut benennt, was zwar jeder von uns weiß, aber sich nicht traut auszusprechen: Es geht um die Heuchelei des Westens.
Weil das auch mein ewiges Thema ist, zitiere ich den Augsteins Kommentar hier ganz:
Ein großes Gedicht ist das nicht. Und eine brillante politische Analyse ist es auch nicht. Aber die knappen Zeilen, die Günter Grass unter der Überschrift "Was gesagt werden muss" veröffentlicht hat, werden einmal zu seinen wirkmächtigsten Worten zählen. Sie bezeichnen eine Zäsur. Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: "Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden." Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen. Ein überfälliges Gespräch hat begonnen.
Es ist ein Gespräch über Israel. Und darüber, dass Israel einen Krieg gegen Iran vorbereitet, dessen Führer Mahmud Ahmadinedschad Israel bedroht, es als Schandfleck bezeichnet, der beseitigt werden müsse. Israel, ein Land das seit Jahren von Feinden umgeben ist, die zum Teil noch immer dem Staat sein Existenzrecht absprechen - und das unabhängig von dessen Politik.
Es ist ein Krieg, der die Welt in den Abgrund stürzen kann. Wenn ein Deutscher davon spricht, muss so ein Gespräch auch von Deutschland handeln, und von der deutschen Verantwortung. Es gibt da Gesetzmäßigkeiten. Grass wusste, dass man ihn als Antisemit beschimpfen würde. Das ist das geläufige Risiko eines deutschen Israel-Kritikers. "Politisch korrekten Antisemitismus" hat ihm auch gleich Mathias Döpfner vorgeworfen, Chef des Springer Verlags, der sich im Besitz der Deutungshoheit über das deutsch-israelische Verhältnis wähnt. Und auch, dass man ihm gleich einen Platz im Reha-Zentrum deutsche Geschichte zuweisen würde, Abteilung Walser, Flur für geriatrische Flakhelfer, auch damit musste Grass rechnen.
Aber Grass ist weder Antisemit noch ein deutscher Geschichtszombie. Grass ist Realist. Er prangert das nukleare Potential Israels an, das "keiner Prüfung zugänglich ist". Er beklagt die deutsche Rüstungspolitik, die ein weiteres nuklearwaffenfähiges U-Boot nach Israel liefert. Und er wendet sich voll Überdruss von der "Heuchelei des Westens" ab, die - das muss er gar nicht ausführen - seit jeher Richtschnur unseres Handelns im Nahen Osten ist, von Algerien bis Afghanistan.
Grass schreibt auch Unfug. Er schwurbelt sich was zurecht: dass er lange schwieg und jetzt nicht mehr schweigt - "gealtert und mit letzter Tinte" - und dass sich nun viele mit ihm vom Schweigen befreien mögen, das ist alles nicht so toll formuliert. Er spinnt sich auch was zurecht: Die Auslöschung des iranischen Volks, vor der er warnt, steht nicht auf der israelischen Agenda. Dieser Text hätte besser gegen Angriffe gewappnet werden können. Aber darum tut er nicht weniger not.
Es muss uns nämlich endlich einer aus dem Schatten der Worte Angela Merkels holen, die sie im Jahr 2008 in Jerusalem gesprochen hat. Sie sagte damals, die Sicherheit Israels gehöre zur deutschen "Staatsräson". Und damit es keine Missverständnisse gebe, fügte sie hinzu: "Wenn das so ist, dann dürfen das in der Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben."
Helmut Schmidt hat dazu gesagt, für Israels Sicherheit mitverantwortlich zu sein, sei eine "gefühlsmäßig verständliche, aber törichte Auffassung, die sehr ernsthafte Konsequenzen haben könnte." Wenn es zum Krieg zwischen Israel und Iran käme, "dann hätten nach dieser Auffassung die deutschen Soldaten mitzukämpfen". Die Israelis halten Deutschland seitdem neben den USA für das einzige Land, auf das sie sich verlassen können.
Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs: "Netanjahus Israel hat die globale Agenda auf eine Weise bestimmt wie kein kleiner Staat je zuvor", schreibt die israelische Zeitung "Haaretz". Vom Ölpreis bis zum Terrorismus - die Welt hat Gründe genug, einen israelisch-iranischen Krieg zu fürchten.
Niemand behauptet, dass Iran eine Atombombe besitzt. Niemand weiß, ob Iran an einer solchen Bombe arbeitet. Im Gegenteil: Die Amerikaner gehen davon aus, Teheran habe sein Atomwaffenprogramm im Jahr 2003 eingestellt. Das interessiert die Israelis nicht. Es geht ihnen inzwischen nicht mehr nur darum, eine iranische Atombombe zu verhindern. Es geht ihnen darum, zu verhindern, nicht mehr verhindern zu können, dass die Iraner eine solche Bombe bauen könnten. Sie wollen sich nicht mit dem Problem herumschlagen, das die USA seinerzeit mit dem Irak hatten: Die glaubten nämlich noch, sie müssten beweisen, dass ihr Gegner über Massenvernichtungswaffen verfügte. Solche Beweise waren im Irak nicht zu finden - ebensowenig wie solche Waffen. Also fälschten die Amerikaner die Beweise.
Israel hat der Welt eine Logik des Ultimatums aufgedrängt: Es will gar nicht beweisen, dass Iran eine Bombe hat. Es will nicht einmal beweisen, dass Iran eine Bombe baut. Die israelische Doktrin lautet einfach, dass Teheran die "Zone der Immunität" nicht erreichen dürfe. Israel droht darum mit einem Angriff, bevor die Iraner ihre Atomanlagen so tief im Granit versenken können, dass auch die größten bunkerbrechenden Bomben der Amerikaner sie nicht mehr erreichen.
Israel spielt mit Iran eine Pokerpartie, bei der beide gewinnen, solange es nicht zum Krieg kommt. Den "Irren aus Teheran" nennt der Boulevard den iranischen Präsidenten. Aber Ahmadinedschad ist nicht irre. Er will sein Amt behalten und unterdrückt deshalb die Opposition: Die Massenproteste gegen sein Regime vor drei Jahren ließ er blutig niederschlagen, viele Oppositionspolitiker einsperren.
Ahmadinedschad hält die Welt bewusst im Unklaren über seine nuklearen Absichten. Er profitiert von dieser strategischen Zweideutigkeit ebenso wie die Israelis von ihren Kriegsdrohungen profitieren. Beide Länder helfen sich gegenseitig, ihren Einfluss weit über ihr eigentliches Maß hinaus zu vergrößern. Auf eine perverse Weise befinden sie sich in einer wechselseitigen Abhängigkeit. Das bliebe ihre eigene Sache, hätten sie nicht die ganze Welt als Geisel genommen. Es ist an der Zeit, wie Grass schreibt, darauf zu bestehen, "dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird".
Iran steht bereits durch eine Fülle von Sanktionen unter Druck. Jetzt muss endlich auch auf Israel Druck ausgeübt werden. Wohlgemerkt: Wer das sagt, versucht nicht, "die Schuld der Deutschen zu relativieren, indem er die Juden zu Tätern macht", wie Döpfner sagt. Hier geht es nämlich nicht um die Geschichte Deutschlands. Sondern um die Gegenwart der Welt.
Wenn ich mir die überschäumenden Reaktionen unserer und der Israelischen Politiker anschaue, dann kann ich nicht umhin mit dem Gedanken zu liebäugeln, dass Grass mit seinem Gedicht auf seine alten Tage hin nicht ganz unrecht gehabt hat.
Was hat er denn gesagt?
Das wir mit dem Iran ein Feindbildkonzentrieren, während wir zugleich unsere eigene Rolle als einer der Weltgrößten Waffenhändler moralisch verschleiern?
Das Israel, welches nach Schätzungen über bis zu 200 Atomwaffen verfügt, nie dazu gezwungen würde, auch nur einer Prüfung ihrer anlagen zuzulassen. Jedem mit Krieg droht, der in seiner Nähe den Bau von Atomwaffen plant. Irak, Syrien, und jetzt eben den Iran.
Das der Iran in seinen Augen von Maulhelden regiert wird.
Wenn man sich jetzt anschaut, wer sich in Deutschland alles darüber aufregt, dann ist es faszinierend, dass es vorallem die Helden aus der zweiten Reihe, von denen man schon lange nichts mehr gehört hat sind, die nun zu einem verbalen Trommelfeuer ansetzen, wobei diese seltsamer weise nichts von dem gesagten Widersprechen, sondern eher Grass als solches Kritisieren.
Was gesagt werden muss, war vielleicht wirklich nötig. Nicht weil es eine unumstößliche, absolute Wahrheit ist, nicht weil es literarisch Wertvoll ist, sondern einfach weil es gesagt werden musste. Ohne Hass, ohne irgendwenn zu verurteilen, sondern einfach um sich in der aufkommenden Kriegsretorik einfach ein paar Schritte zurück zubewegen und einen Blick auf das ganze Bild zu werfen. Ein Bild, welches wie Rosi schon sagte, etwas komplexer ist, wo er jedoch wie viele andere, ebenfalls schon eine klare Linie bezogen hat, die ihn zumindest in seiner Argumentation hier im Forum fesselt.
Vielleicht führt dieses Bild zu dem einfachen Schluss, dass wenn der Maulheld so weiter macht, er bald eines von der Schlägern der aktuellen Weltgeschichte bald tierisch eines auf die Fresse bekommen wird. Nicht weil er wirklich so gefährlich ist, sondern einfach weil sie es können.
Israel und die USA können den Iran in die Steinzeit bomben, während der Iran außer der Unterstützung von ein paar Terrorgruppen kaum irgendetwas als Antwort leisten könnten. So sieht es im Moment einfach aus. Möglich, dass der Iran irgendwann zu einer realen Bedrohung heranwachsen könnte, aber im Moment hat er ausser veralteten Flugzeugen aus Sowjetzeiten und ein paar F14 aus den 70er jahren keine nenneswerte Luftverteidigung. Geschweigeden eine Offensivkapazität. Vielleicht könnte er irgendwann einmal eine ICMB bauen, die mit einer gewissen Zuverlässigkeit irgendwas trifft. Aber wurd nicht genau aus diesem Grund der Raketenabwehrschild in den vergangenen 10 Jahren aufgebaut?
Hi,
ich bin mit vielem einverstanden, was du schreibst, nur besonders mit einem Satz nicht: Dass wir mit dem Iran ein Feindbild KONSTRUIEREN.
Die Äusserungen des iranischen Staatspräsidenten sind eindeutig.
Zudem wird hier eines vergessen: Der Iran unterstützt schon seit Jahrzehnten logistisch und finanziell terroristische Gruppen wie die "Hisbollah" und andere, die Israel mit Terroranschlägen überziehen!
Hier gibt es Leute, die glauben, der Krieg dort drüben müsste und könnte um jeden Preis vermieden werden.
Und ähnlich hier: Man geht auf das demokratische Israel los, anstatt auf die abgedrehten Antisemiten rings um Israel; in vorderster Linie der iranischen Staatspräsident.
Deshalb sollten wir mit besserwisserischer Moral und Schuldzuweisungen extrem vorsichtig sein- Vor allem in Richtung Israel.
Und das hat nichts mit der deutschen Staatsräson zu tun, sondern mit dem Leben vor Ort in Israel, das ich eben versucht habe, ein wenig zu skizzieren.
Teheran wird nicht seit Jahren und Jahrzehnten von Terroranschlägen erschüttert- Tel Aviv (und andere Städte in Israel) hingegen schon.
Eben. Dazu ein paar Zitate aus dem Spiegel-Online - "Knackpunkte der Nahost-Gespräche":Hier würde wahrscheinlich niemand etwas gegen Israel sagen, wenn deren Friedensabsicht ausser Frage stehen würde und sie nicht anders könnten. Genau das zweifle ich aber an. Die Siedlungspolitik widerspricht jeglichem Friedenswillen, und sie spielt den verkappten Antisemiten in die Hände.
Grass spricht von einem Maulhelden im Iran, aber das könnte man auf so gut wie alle islamischen Führer beziehen. Sie sind offenbar in der Lage, jede Niederlage in einen Sieg zu verwandeln: Obwohl in Konflikten mit Israel nur Niederlagen zu verzeichnen sind, wurden und werden diese Führer in ihrer Welt immer nur als Helden gefeiert.
Deswegen ist es falsch, deren Kriegsrhetorik für bare Münze zu nehmen. Wer nur ein bisschen Ahnung von der Mentalität dieser Völker hat, weiß zu unterscheiden zwischen Propaganda und Realität. Noch im Jahr 2009 gab es keinerlei Sorgen um ein ev. Atomprogramm Irans, denn alle Beobachter waren sich einig: Iran hatte schon im Jahr 2003 diese Pläne ad acta gelegt.
Aber wie kommt es, dass jetzt sogar die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien anderer Meinung ist? Die Erklärung dafür liegt im Irakkrieg von 2003 begründet. Damals wurde ihr damaliger Präsident Mohammed el-Baradei, ein Ägypter, durch (gefälschte) Geheimdienstberichte dazu gebracht, zu glauben, Irak arbeite heimlich an einer Atombombe. Als später klar wurde, dass seine Behörde angelogen wurde, hat er danach keine Geheimdienstberichte mehr als Beweis akzeptiert, sondern verlangte immer Originaldokumente. Die hat er natürlich nicht bekommen und deswegen sagte auch IAEO jahrelang: In Iran ist alles in Ordnung.
Aber dann kam 2010 ein neuer Präsident an das Ruder der IAEO – der Japaner Yukiya Amano -, der als Erfüllungsgehilfe der USA gilt. Entsprechend glaubt er den Geheimdienstberichten und verlangt zusätzliche Kontrollen in Iran. Das Spiel, das diese Behörde vor dem Irakkrieg spielte, spielt sie jetzt erneut. Und wie in Irak mit Saddam, steht auch in Iran ein Maulheld da und redet sich nach arabischer Tradition um Kopf und Kragen. Er weiß wohl um die Gefährlichkeit dieses Spiels, aber er muss es spielen, denn ein Nachgeben würde ihm als Feigheit ausgelegt und unweigerlich die Präsidentschaft kosten. Und da diese Präsidentschaft das einzige Gegengewicht gegenüber den wesentlich radikaleren geistlichen Führern ist, sollten wir sie nicht leichtfertig gefährden.
Möglicherweise ist aber gerade das das Ziel der westlichen Politik: Iran zu radikalisieren, um es hinterher mit mehr Recht zu bekämpfen.
... dieser lag in einem ganz anderen Sachverhalt begründet: SADDAM erwog ernsthaft, künftig sein Öl auch für Euros zu verkaufen.
Damit stellte er den Dollar als Leitwährung der Weltwirtschaft in Frage, und damit war sein Ende besiegelt.
Solange der Iran sein Öl brav weiterhin gegen US-Dollars liefert werden auch die USA eine diplomatische Lösung des aktuellen Konfliktes favorisieren ...
lg
"rosi" (Johannes)
... oder fangen mit China, Rußland und Indien einen Krieg an. Sooooooooo isses!
In deinem Kommentar könnte man auch Saddam mit Gaddafi und Irak mit Libyen austauschen, und er stimmte immer noch.
Der ölgedeckte Dollar (und desser Erhalt als Weltleitwährung) bestimmt die US-Außenpolitik ... und sonst nichts! Aber die Chinesen, Russen und Inder beginnen ja zum Glück gerade damit, ihre Währungen frei konvertierbar zu machen.Darauf haben die Amis nur zwei Möglichkeiten zur Reaktion: Sie finden sich damit ab, nicht mehr die Weltmacht Nr. 1 zu sein
... oder fangen mit China, Rußland und Indien einen Krieg an.
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