Seiten die die Welt bedeuten

@KrystanX

Ich tue mir immer so schwer mit dem Begriff "Must have", "Literarische Grundbildung", oder "Weltliteratur".
Warum? Einfach weil ich finde, dass jeder seinen eigenen Zugang zu dieser Literatur finden soll. Dogmatische Vorgaben für eine Literarische Grundbildung sind letztlich aus einem Zeitgeist geboren.
Umwas geht es bei einer guten Roman? Um eine gute Geschichte. Wie dieser Stoff umgesetzt wird, wie er erzählt wird, ist letztlich nur eine Frage des Zugangs, den der Künstler versucht, um seine Adressaten zu finden.

Die hälfte der von dir gegannten Bücher sind zu ihren Zeiten zweifellos besonders gewesen und doch muss man sie sich häute eher Schönreden, um sie wirklich zu etwas "besonderen" zu machen.

Das ist jetzt wirklich nur mein Eindruck und meine Meinung, aber ich finde es eigentlich bedauerlich, dass manche versuchen, alles in der Literatur zu messen, anstatt sich einfach daran zu erfreuen.
Das erinnert mich so ein wenig an den goldenen Apfel, den Eris den anderen Göttinnen des Olymps hinwarf und zu dem Urteil des Paris führte. Nun, was dabei raus kam, wissen wir.


Hi,
ein Kanon hat nix Dogmatisches.
Natürlich muss jeder seinen Zugang zur Literatur selbst finden, und jeder wird seine Vorlieben entwickeln.

Ein Buch muss ne gute Story erzählen, sagst du?
Richtig.
Und die von mir genannten Romane erzählen alle genau das: Eine gute Geschichte.
Das ist meine subjektive Meinung, für die ich gute Gründe habe, die natürlich niemand teilen muss.

Viele dieser Romane sagen uns heute vielleicht nicht mehr viel, sind aber exemplarisch für die Epoche, in der sie entstanden sind (Bsp. Thomas Manns "Buddenbrokks.")
Andere hingegen halte ich für wirklich zeitlos.
Bsp.: Melvilles "Moby Dick."
Warum?
Die Thematik ist zeitlos. Jemand verfolgt mit blindem Hass ein Ziel, koste es, was was es wolle.

Andere dieser Bücher waren einfach stilbildend für die moderne Literatur.
Bsp.: Flauberts "Erziehung der Gefühle."
Why?
Weil er in einer TECHNIK erzählt ist, die es vorher nicht gab.
Der Roman hat die Literatur revolutioniert, und das weniger wegen seines Inhalts, sondern wegen des Stils, in dem er geschrieben ist.
Man kann sich also nicht ernsthaft über den modernen Roman unterhalten ohne Flauberts "Erziehung der Gefühle" gelesen zu haben.
Das geht einfach nicht.

Ein anderes Beispiel ist Flauberts "Madame Bovary."
Ein Buch, das mich inhaltlich schon immer gelangweilt hat.
Netter: Es hat mich nie wirklich gepackt.
Dennoch erkenne ich seine Bedeutung und seine Klasse und seinen Stellenwert für die moderne Literatur.

Ein anderes Beispiel ist Faulkners "Licht im August."
Ein schwieriger Autor und ein schwieriges Buch, aber lohnenswert.
Warum schwierig?
Weil Faulkner aus verschiedenen Perspektiven erzählt.
Weil Faulkner Reviews und "Previews" macht.
Weil er das seltene und schwierige Stilmittel des "Bewusstseinsstoms" (was NICHT identisch ist mit dem "Inneren Monolog") verwendet.
Er verwendet zudem die Technik der "Schnitte", die man vor allem aus dem Film kennt.
Er verwendet "Überblendungen." (Faulkner war auch Drehbuchautor in Hollywood)
Etc...
Alle diese Schreibtechniken und Stilmittel muss man (er)kennen, um "Licht im August" wirklich richtig lesen und verstehen zu können,
Für "Licht im August" braucht man also eine gewisse Lesekompetenz.
Ist nicht überheblich gemeint. Ich meine das im Sinne von "Leseerfahrung."
Jemand, der "nur" chronologisches Erzählen von A bis Z gewohnt ist, wird "Licht im August" zerfahren finden.
Das ist es aber keineswegs.

So könnte man noch viele Beispiele nennen.

Bei manchen Büchern hab ich mehrere Anläufe gebraucht, um sie komplett zu lesen. Um ihre wirkliche Klasse zu erkennen.
Manche Bücher begreift man erst in einem gewissen Alter.
Für die braucht man tatsächlich eine gewisse Reife.

In jeder Sparte gibt es einen Kanon.
So ist es schwierig, sich über klassische Musik zu unterhalten, wenn man Bachs "Brandenburgische Konzerte" nicht kennt.
Und sich über moderne Popmusik zu unterhalten ohne "The Beatles" und "The Rolling Stones" zu kennen, geht auch nicht.

"KrystanX", als geübter Leser, für den ich mich in aller Unbescheidenheit halte, unterliegt man leicht einem Kurzschluss: Man denkt, das Schreiben fiktionaler Texte wäre einfach.
Nein.
Es ist schwierig.
Das merkt man, wenn man sich den Mist durchliest, den man selbst schreibt, und dabei so etwas wie meinen "Kanon" im Hinterkopf hat.

Deshalb sind die meisten Story-Verrisse von "Auden James" bei LIT auch berechtigt.
Ich finde nur, dass er die Meßlatte oft zu hoch anlegt.
Man muss halt wissen, wo man bei LIT (und vergleichbaren Portalen) ist.
Das ist keineswegs negativ gemeint.

So ein Kanon ist kein Dogma, sondern ein Vorschlag.

Und das Wichtigste bei Lesen ist der Spass. Die Freude. Da bin ich absolut deiner Meinung.
Das gilt auch für das Schreiben.

lg
"Rosi" (Johannes)
 
Last edited:
@Kojote

Wirklich?
Welche?
Ich kenne keine.
Und das schließt meine mit ein.

Wenn ich jemals etwas gefunden habe, dass wirklich individuell ist, dann ist es die unfassbare Vielfalt von BDSM-Dynamiken.
Und wenn man irgendwas davon nimmt und glaubt, man könne es als Regelwerk verwenden, hat man schon die falsche Abzweigung genommen und ist dauf dem Weg, sich in Dogmen zu verlieren.

Beispielsweise die von "Grussilda."
Okay, die legt den Fokus auf Fesselungen.

Es gibt aber auch gute Erlebnisberichte über diese Szene.
Im Verlag "Schwarzkopf & Schwarzkopf" sind einige lesenswerte Bücher darüber erschienen.
Dann gibt es das Szene-Magazin "Schlagzeilen" (Die haben auch ne Homepage im www)

Das Beste ist allerdings, man überzeugt sich mit eigenen Augen vor Ort.
So hab ich das gemacht, und darüber sogar nen Film gedreht! (Lach)
Kein Witz.
Das heisst: Ich war beratend tätig.
Vor einigen Jahren machte bei uns ein BDSM-Lokal auf.
Mein Chef- etwas prüde- wollte den Laden wieder weg haben.
Na ja, ich war da sozusagen "vermittelnd tätig."
Ich habe zwischen den verschiedenen Parteien "MODERIERT" (und NICHT diktiert!).
Bin einfach mal reinmarschiert und hab mich mit den Jungs und Mädels unterhalten...
Das war bzw ist kein professioneller Laden.
Also nix: BDSM-Sex gegen Cash.
Nö, da treffen sich halt Leute, die diese Neigung haben, trinken ihr Bier und plaudern, und haben halt die entsprechenden Szene-Klamotten an.
Okay, es gibt auch ein kleines "Behandlungszimmer" (Lach).
Darüber steht sinnigerweise: "AUA!"

Nun, vor 4 Jahren hat ne Studentin der Filmhochschule Heidelberg ne Abschlussarbeit drehen müssen.
Sie entschied sich für den Mannheimer Jungbusch.
Ich hab die junge Dame beraten, wo und was sie filmen soll.
Wir bekamen aufgrund meiner Connections (Ich bin halt nun mal nett und kommunikativ und kann mit den unterschiedlichsten Leuten! (Räusper!) ) auch ne Dreherlaubnis für diesen BDSM-Laden!)
Das Ergebnis war ein voller Erfolg und heisst: "Kaiser Wilhelm unter Sizilianern und Dominas."
Bekam auf kleineren Festivals sogar einige Preise.

Also, einfach mal in so nen Laden reigehen, sich umschauen und mit den Leuten quasseln.
Die beissen nicht. (Es sei, denn, man besteht darauf!) (Lach)


Ps.: Gemeinerweise sieht man mich in diesem Film kurz an der Theke.
Und was mach ich da?
Genau. Ich trinke ein Bier! (Lach)



lg
"Rosi" (Johannes)
 
Last edited:
S. J. Watson - Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Als Christine aufwacht, ist sie verstört: Das Schlafzimmer ist fremd, und neben ihr im Bett liegt ein unbekannter Typ. Sie kann sich an nichts erinnern. Schockiert muss sie feststellen, dass sie nicht Anfang 20 ist, wie sie denkt - sondern 47, verheiratet und seit einem Unfall vor Jahren in einer Amnesie gefangen. Jede Nacht vergisst sie alles, was gewesen ist, sie ist völlig angewiesen auf ihren Mann Ben. Doch dann findet Christine ein Tagebuch. Es ist in ihrer Handschrift geschrieben - und was darin steht, ist mehr als beunruhigend. Was ist wirklich mit ihr passiert? Wem kann sie trauen?

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.
 
S. J. Watson - Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Als Christine aufwacht, ist sie verstört: Das Schlafzimmer ist fremd, und neben ihr im Bett liegt ein unbekannter Typ. Sie kann sich an nichts erinnern. Schockiert muss sie feststellen, dass sie nicht Anfang 20 ist, wie sie denkt - sondern 47, verheiratet und seit einem Unfall vor Jahren in einer Amnesie gefangen. Jede Nacht vergisst sie alles, was gewesen ist, sie ist völlig angewiesen auf ihren Mann Ben. Doch dann findet Christine ein Tagebuch. Es ist in ihrer Handschrift geschrieben - und was darin steht, ist mehr als beunruhigend. Was ist wirklich mit ihr passiert? Wem kann sie trauen?

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

Tolles Buch. Man vermutet immer, dann ist es doch nicht so und hinterher ist man sehr überrascht.
 
Vielleicht kein Buch, das vom Hocker reißt, aber da es sich gut lesen lässt, sozusagen "leichte Kost", von mir immer wieder gerne gelesen:

Galopp ins Glück von Rita Mae Brown

Die begeisterte Reiterin Cig erfährt während eines Jagdrittes, das ihr Mann nicht während eines gewöhnlichen Besuches bei ihrer Schwester und deren Mann gestorben ist, sondern bei einem Seitensprung mit dieser. Verwirrt folgt sie einem Fuchs, und gerät dabei in das Jahr 1699. Dort findet sie Unterschlupf bei ihren Ahnen, von denen sie fälschlicherweise für die nach einer Reise nach England verschollene Schwester des Hausherren gehalten wird...

Mehr werd ich dazu aber nicht verraten ;)
 
Vielleicht kein Buch, das vom Hocker reißt, aber da es sich gut lesen lässt, sozusagen "leichte Kost", von mir immer wieder gerne gelesen:

Galopp ins Glück von Rita Mae Brown

Die begeisterte Reiterin Cig erfährt während eines Jagdrittes, das ihr Mann nicht während eines gewöhnlichen Besuches bei ihrer Schwester und deren Mann gestorben ist, sondern bei einem Seitensprung mit dieser. Verwirrt folgt sie einem Fuchs, und gerät dabei in das Jahr 1699. Dort findet sie Unterschlupf bei ihren Ahnen, von denen sie fälschlicherweise für die nach einer Reise nach England verschollene Schwester des Hausherren gehalten wird...

Mehr werd ich dazu aber nicht verraten ;)

:D Gutes Buch, habe ich auch bereits gelesen. Rita Mae Brown hat auch eine ganz tolle Katzenserien.;)
 

:D Gutes Buch, habe ich auch bereits gelesen. Rita Mae Brown hat auch eine ganz tolle Katzenserien.;)

Dann bist du die erste, die ich bisher "getroffen" habe, die es gelesen hat ;-)

Zu den anderen Büchern von ihr bin ich bisher noch nicht gekommen...

Eine andere Autorin, die ich generell noch sehr gerne lese ist Jackie Collins.
Bei ihr ist es allerdings oft schwierig, gerade zu Beginn nicht den Faden zu verlieren... Meist wirft sie einen in die "aktuelle" Handlung hinein, dazwischen kommen dann viele Rückblenden zu ihren verschiedenen Hauptpersonen. Meist zur Mitte des Buches hin spinnen sich die einzelnen Fäden dann zusammen und führen dann weiter.
Was mir bei ihr besonders gut gefällt, sind die starke Frauen darin, die ganz so leben, wie SIE wollen. Und immer gemischt mit einer guten Portion Showbiz, Sex, Drogen, Kriminalität - und oft auch einer heftigen Brutalität...

Besonders ihre "Lucky"- Reihe, spielend um die weibliche Hauptperson Lucky Santangelo, gefällt mir...
- Lady Boss
- Lucky Boss
- Lady Panther
- Lucky Player
- Lucky Kisses
(ohne Gewähr auf die richtige Reihenfolge ...)
 
Deshalb sind die meisten Story-Verrisse von "Auden James" bei LIT auch berechtigt.
Ich finde nur, dass er die Meßlatte oft zu hoch anlegt.
Nach dem ich gesehen und gelesen habe, was er beim Sevac Schreibwettbewerb abgeliefert hat, hat sich für mich das Thema sowieso erledigt ;)
 
Bei manchen Büchern hab ich mehrere Anläufe gebraucht, um sie komplett zu lesen. Um ihre wirkliche Klasse zu erkennen.
Manche Bücher begreift man erst in einem gewissen Alter.
Für die braucht man tatsächlich eine gewisse Reife.

Ich würde es anders ausdrücken. Bücher haben eine gewisse Zielgruppe. Es gibt Bücher die ich früher verschlungen haben und die mir heute nichts mehr geben. Genauso wie es anders herum ist. Wenn die Zielgruppe eben jemand ist, der gerne über Literatur herumphilosophiert, dann ist es eben so.
Aber an dieser Stelle Begriffe wie Alter oder Reife zu verwenden, finde ich irgendwie unpassend. Denn ich behaupt mal ganz frech, dass es viele alte Leseratten mit einer Menge Lebenserfahrung und auch reife gibt, die absolut nichts mit den von dir beschriebenen Büchern anfangen können. Warum? Einfach weil verschiedene Menschen einfach unterschiedliche Vorstellungen haben.
Das eine gewisse Gruppe von Menschen, sich gerne in Kunst und Literatur über andere erheben, konnte man z.B. sehr gut bei der Avantgardebewegung im 20. Jahrhundert. Es führt fast immer zum Ziehen von meist fiktiven Grenzen, die letztlich zu Wertendem führten, was in meinen Augen in der Kunst ein großes Manko ist.
 
@KrystanX

Nach dem ich gesehen und gelesen habe, was er beim Sevac Schreibwettbewerb abgeliefert hat, hat sich für mich das Thema sowieso erledigt ;)

Das hab ich nicht gelesen.
Bei "sevac" lese ich nur sporadisch.
Bin kein Internet- und Forenmensch.
LIT ist der einzige Laden, wo ich mich rumtreibe (Also was "Schmuddelboards" betrifft).
Das heisst: Jetzt kam aufgrund aktueller Differenzen noch das "Vollstrecker-Forum" dazu.

Aber man muss sich vor einem Kurzschluß hüten, der oft gemacht wird: Ein guter (Literatur)Kritiker muss nicht unbedingt auch ein guter Schreiber sein.
Tatsächlich waren und sind die besten Literaturkritiker selbst keine Schriftsteller, und sie erheben auch gar nicht den Anspruch.
Das gilt auch für MARCEL REICH-RANICKI (Ich mein jetzt natürlich den echten MRR!) (Lach)

Man kann von "AJ" halten, was man möchte, und man muss nicht alle seine Einschätzungen teilen.
Aber er weiß schon, über was er redet, wen er ne Story kommentiert.

lg
"Rosi" (Johannes)
 
Last edited:
@KrystanX

Ich würde es anders ausdrücken. Bücher haben eine gewisse Zielgruppe. Es gibt Bücher die ich früher verschlungen haben und die mir heute nichts mehr geben. Genauso wie es anders herum ist. Wenn die Zielgruppe eben jemand ist, der gerne über Literatur herumphilosophiert, dann ist es eben so.
Aber an dieser Stelle Begriffe wie Alter oder Reife zu verwenden, finde ich irgendwie unpassend. Denn ich behaupt mal ganz frech, dass es viele alte Leseratten mit einer Menge Lebenserfahrung und auch reife gibt, die absolut nichts mit den von dir beschriebenen Büchern anfangen können. Warum? Einfach weil verschiedene Menschen einfach unterschiedliche Vorstellungen haben.
Das eine gewisse Gruppe von Menschen, sich gerne in Kunst und Literatur über andere erheben, konnte man z.B. sehr gut bei der Avantgardebewegung im 20. Jahrhundert. Es führt fast immer zum Ziehen von meist fiktiven Grenzen, die letztlich zu Wertendem führten, was in meinen Augen in der Kunst ein großes Manko ist.

Dass es ne Menge Kunstrichtungen gibt, die sich für was besseres halten ist richtig, und die sind bescheuert.

Was ich mit "Reife" meinte: Vielleicht kennst du die Erfahrung, dass einem gewisse Bücher nur in nem bestimmten Alter was sagen?
So gehts mir mit vielem von Hermann Hesse.
Mit "Peter Camenzind" und "Unterm Rad" kann ich heut nix mehr anfangen.
Mit seinem "Steppenwolf" hingegen schon.

Zudem: Man versteht dasselbe Buch in unterschiedlichen Lebensphasen gelesen oft anders.
Ist gar nicht so einfach zu erklären: Man selbst entwickelt sich. Man ist/wird jemand anders.
Nicht ganz anders, aber man denkt mit 40 anders wie mit 20, und dementsprechend versteht man ein und dasselbe Buch anders.
Man liest es anders.

Und so ist es wohl auch mit bestimmten Büchern.
Für die braucht man einfach ne gewisse Lebenserfahrung, damit sie auf einen wirken.
Diese Erfahrung habe ich jedenfalls mit einigen Büchern gemacht.

Nun, das alles zeigt: Es gibt nicht die einzig richtige und endgültige Interpretation eines Buches.
Jede Generation und jeder Leser erschliesst sich das immer wieder neu.

lg
"Rosi" (Johannes)
 
Last edited:
Nun, das alles zeigt: Es gibt nicht die einzig richtige und endgültige Interpretation eines Buches.
Jede Generation und jeder Leser erschliesst sich das immer wieder neu.

Genau. Deswegen verwehre ich mich auch gegen das allgemeine Werten von Büchern, Texten oder sonstigen Kunstwerken. Ich kann nur immer für mich sprechen, ob mir etwas im Moment zusagt oder eben nicht.
 
@KrystanX

Der war gut! :D you make my day!

Danke für das Kompliment.

Ich bin ausserdem auch Clint-Eastwood-Fan.
Der löst Konflikte in seinen "Dirty-Harry"-Filmen immer so diplomatisch! (Lach)
Das finde ich vorbildlich! (Räusper)

lg
"Rosi" (Johannes)
 
@KrystanX

Genau. Deswegen verwehre ich mich auch gegen das allgemeine Werten von Büchern, Texten oder sonstigen Kunstwerken. Ich kann nur immer für mich sprechen, ob mir etwas im Moment zusagt oder eben nicht.

Da geb ich dir völlig recht.
Sicher ist jede Beurteilung eines Buches subjektiv.
Aber jede Meinung bedarf einer Begründung. Sie bedarf Argumente, und über die Qualität dieser kann man trefflich streiten.

Man findet diese unterschiedliche Einschätzung auch beim Film.
Er wird eine Generation später oft anders beurteilt als zur Zeit seines Erscheinens
(Ich bin ausser Bücher- auch noch ein Filmfreak. Hab neben dem Studium und danach insgesamt 8 Jahre im Kino gearbeitet. Meine Fimkritiken waren damals genauso berühmt-berüchtigt und gefürchtet wie heute meine LIT-Kommentare! Ich hab auch da manche Fime und manche Schmalspurkritiker kräftig abgebügelt!) (Lach)

Ein gutes Beispiel ist "Der Tod kennt keine Wiederkehr" von Robert Altman (1973)
Ist eine Raymond-Chandler-Verfilmung.
Als Philipp Marlowe hatten Publikum und Kritiker damals immer Humphrey Bogart und "The Big Sleep" (1944) vor Augen.
Da sah Elliot Gould natürlich schlecht aus und fiel bei Kritik und Publikum glatt durch.
Heute beurteilt man den Film viel milder und positiver und sieht seine Qualitäten, die er durchaus hat.

Aber natürlich ist und bleibt "BOGEY" der einzig wahre Philipp Marlowe.

lg
"Rosi" (Johannes)
 
Aber jede Meinung bedarf einer Begründung.

Wie hier:
Klasse
Kommentar von: rosettenfreak

Wie gewohnt liefert "Steffi25" erste Qualitaet.

LG
LIT-RANICKI "Rosi" (Johannes)
:caning:

Man mag eine Geschichte, ein Buch, oder man mag es nicht. Wen man es aufdröseln soll, kommt man immer ins Subjektive. Da wird zerredet und relativiert. Und was kommt als Erkenntnis unten raus?

Richtig! :D Nur warme Luft.

MonteZ :)
 
Last edited:
@Monti

Wie hier:


:caning:

MonteZ :)

Hi,
wie gehts???

Du hast natürlich Recht: Bei meinem Kommentar zu "Steffi25s" neuer Story fehlt die Begründung.
Die werde ich in Kürze nachreichen.

lg
"Rosi" (Johannes)


Ps.: Die beiden Smileys sind klasse! Bist du das, der mich da verhaut??? (Lach)
(Man sollte nur Fragen stellen, wo man auch mit der Antwort leben kann!) (Lach)
 
Überraschung, Überraschung

Nach dem ich gesehen und gelesen habe, was er beim Sevac Schreibwettbewerb abgeliefert hat, hat sich für mich das Thema sowieso erledigt ;)
Was nun wirklich niemanden überrascht, denn mit Kunst (bzw. Kunstwerken) weißt du ja bekanntlich exakt nullkommanix anzufangen; es sei denn, dass vorzugweise ein ziemlich bestimmtes weibliches Personal in ihnen eine prominente Rolle spielt.

Diese Vorlieben mögen am Alter liegen, klar.

Oder weißt du hiermit etwas anzufangen:

Kunstwerk A said:
Er drehte den Kopf zurück nach der roten Mauer, aber die Elektrische sauste mit ihm auf den Schienen weg, dann stand nur noch sein Kopf in der Richtung des Gefängnisses. Der Wagen machte eine Biegung, Bäume, Häuser traten dazwischen. Lebhafte Straßen tauchten auf, die Seestraße, Leute stiegen ein und aus. In ihm schrie es entsetzt: Achtung, Achtung, es geht los. Seine Nasenspitze vereiste, über seine Backe schwirrte es. „Zwölf Uhr Mittagszeitung“, „B.Z.“, „Die neueste Illustrirte“, „Die Funkstunde neu“, „Noch jemand zugestiegen?“ Die Schupos haben jetzt blaue Uniformen. Er stieg unbeachtet wieder aus dem Wagen, war unter Menschen. Was war dennn? Nichts. Haltung, ausgehungertes Schwein, reiß dich zusammen, kriegst meine Faust zu riechen. Gewimmel, welch Gewimmel. Wie sich das bewegte. Mein Brägen hat wohl kein Schmalz mehr, der ist wohl ganz ausgetrocknet. Was war das alles. Schuhgeschäfte, Hutgeschäfte, Glühlampen, Destillen. Die Menschen müssen doch Schuhe haben, wenn sie so viel rumlaufen, wir hatten ja auch eine Schusterei, wollen das mal festhalten. Hundert blanke Scheiben, laß die doch blitzern, die werden dir doch nicht bange machen, kannst sie ja kaputt schlagen, was ist denn mit die, sind eben blankgeputzt. Man riß das Pflaster am Rosenthaler Platz auf, er ging zwischen den andern auf Holzbohlen. Man mischt sich unter die andern, da vergeht alles, dann merkst du nichts, Kerl.

Dann ja vielleicht hiermit:

Kunstwerk B said:
Wo blieb die Frau, die gesagt hatte, sie würde kommen. Sie hatte gesagt, sie würde kommen. Erdedy fand, sie müsste längt gekommen sein. Er saß da und überlegte. Er war im Wohnzimmer. Als er mit dem Warten angefangen hatte, war das eine Fenster voll von gelbem Licht gewesen und hatte einen Lichtschatten auf den Boden geworfen, und er saß immer noch da und wartete, als der Schatten langsam verblasste und von einem heller werdenden Schatten geschnitten wurde, der durch das Fenster einer anderen Wand hereinfiel. Auf einem der Stahlregale mit seinen Audiogeräten saß ein Insekt. Es krabbelte immer wieder durch eines der Löcher in den Trägern, in die die Regalfächer eingehängt wurden. Das Insekt war dunkel und hatte einen glänzenden Panzer. Er sah dauernd zu ihm hinüber. Ein paarmal wollte er schon aufstehen, hinübergehen und es sich genauer anschauen, aber er hatte Angst, wenn er näherkäme und es aus der Nähe sähe, würde er es töten, und er hatte Angst, es zu töten. Er rief die Frau nicht an, die versprochen hatte zu kommen, denn wenn sein Telefon besetzt wäre und sie ihn vielleicht zufällig genau in diesem Augenblick anrufen wollte, hatte er Angst, sie würde das Besetztzeichen hören, ihn für uninteressiert halten, sauer werden und das, was ihm versprochen hatte, woanders hinbringen.

Aber hiermit jawohl beim besten Willen nicht:

Kunstwerk C said:
Es war einmal zu einer Zeit und eine sehr gute Zeit war's da kam eine Muhkuh die Straße entlang und diese Muhkuh die da die Straße entlangkam traf ein feinches kleinches Jungchen das hieß Baby Tuckuck .....
Sein Vater erzählte ihm diese Geschichte: sein Vater kuckte ihn an durch ein Glas: er hatte ein haariges Gesicht.
Er war Baby Tuckuck. Die Muhkuh kam die Straße entlang wo Betty Byrne wohnte: sie verkaufte Zitronenbonschen.

O die Rose blüht
An diesem kleinen grünen Platz.

Er sang das Lied. Das war sein Lied.

O die güne Wose bütet.

Wenn man ins Bett macht ist's erst warm dann wird es kalt. Seine Mutter legte das Öltuch auf. Das hatte den komischen Geruch.
Seine Mutter hatte einen feineren Geruch als sein Vater. Sie spielte auf dem Klavier den Matrosen-Hornpipe für ihn zum Tanzen. Er tanzte:

Tralala lala
Tralala tralaladdi
Tralala lala
Tralala lala.

Onkel Charles und Dante klatschten. Sie waren älter als sein Vater und seine Mutter aber Onkel Charles war älter als Dante.
Dante hatte zwei Bürsten in ihrem Schrank. Die Bürste mit maronenbraunem Samt auf der Rückseite war für Michael Davitt und die Bürste mit grünem Samt war für Parnell. Dante gab ihm jedes Mal ein Lakritzdragee wenn er ihr ein Stück Seidenpapier brachte.
Die Vances wohnten in Nummer sieben. Sie hatten einen anderen Vater und eine andere Mutter. Das waren Eileens Vater und Eileens Mutter. Wenn sie erwachsen waren würde er Eileen heiraten.
Er versteckte sich unter dem Tisch. Seine Mutter sagte:
– Oh, Stephen entschuldigt sich – komm raus!
Dante sagte:
– Oh, wenn nicht, kommen die Adler und hacken ihm die Augen aus.

Ihm die Augen aus.
Schuldigt sich komm raus,
Schuldigt sich komm raus,
Ihm die Augen aus.

Schuldigt sich komm raus,
Ihm die Augen aus,
Ihm die Augen aus,
Schuldigt sich komm raus.

Klar, war ja auch nicht anders zu erwarten.

Denn mit Kunst (bzw. Kunstwerken) weißt du ja bekanntlich exakt nullkommanix anzufangen.

Nichts für ungut.

LG,
Auden James


*
Literaturangabe
Kunstwerk A: Auszug aus Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin
Kunstwerk B: Auszug aus Unendlicher Spaß von David Foster Wallace
Kunstwerk C: Auszug aus Ein Porträt des Künstlers als junger Mann von James Joyce
 
Last edited:
@AJ (P 95)

3 sehr schön gewählte Auszüge.

Beispiel B kannte ich bisher nicht.

lg
"Rosi" (Johannes)
 
Last edited:
Bernhard Schlink- Der Vorleser


Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit.
Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er... und sie wird seine erste Leidenschaft. Sie hütet verzweifelt ein Geheimnis. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder.Auf dem Nachhauseweg gerät der fünfzehnjährige Michael Berg in eine heikle Situation. Eine Frau, Mitte Dreißig, kümmert sich um ihn. Später kommt der Junge mit einem Blumenstrauß, um sich zu bedanken. Und er kommt wieder. Hanna ist die erste Frau, die er begehrt. Eine heimliche Liebe beginnt. Doch es ist etwas Düsteres, Reizbares um Hanna. Seine Fragen, wer sie war und ist, weist sie schroff zurück.
Eines Tages ist sie verschwunden. Aus Michaels Leben, nicht aus seinem Gedächtnis. Als Jurastudent sieht er Hanna im Gerichtssaal wieder. Der junge Mann erleidet einen Schock. Er hat eine Verbrecherin geliebt. Vieles an Hannas Verhalten im Prozeß ergibt keinen Reim. Bis es ihm wie Schuppen von den Augen fällt: Sie hat nicht nur eine grauenhafte Tat zu verantworten, sie hat auch ihr verzweifelt gehütetes Geheimnis.
Die Vergangenheit bricht auf - die seiner Liebe und die deutsche Vergangenheit. Michael muß erleben, daß er von beiden Vergangenheiten nicht loskommt
 
@ Der Vorleser

Eines der schlimmsten Bücher, das ich kenne. Ich finde, dass auf jeder Seite der Jurist unverkennbar durchkommt in Sachen Sprache. Das berührt nicht, das ist unaufgeregt, das ist konventionell, das ist banal, das ist langweilig. Und das plätschert so spannungslos dahin in einem rückblickenden bis erinnernden Berichtstil des Ich-Erzählers, für den nebenbei erwähnt Hypotaxe oder überhaupt irgendeine sprachliche Kreativität Fremdwörter zu sein scheinen. Schließlich die völlig mundfremde direkte Rede. Die Figuren reden nicht wie Menschen reden, sondern wie Figuren reden, wenn der Autor will, dass sie so reden, wie es der Autor von seinen figurenhaft konstruierten Plotvehikeln will. Bäh.

Nach weiß ich 20 Seiten oder so war's für mich bereits eigentlich nicht mehr auszuhalten, und das will was heißen, denn damit zählt Schlinks "Vorleser" zu jenem erlesenen Privatclub, in dem sich auch das am meisten überbewertete und überhaupt beknackteste je zwischen zwei Buchdeckel gepresste und mit dem Literaturnobelpreis bedrückte deutsche Geschreibsel der Nachkriegszeit, namentlich "Die Blechtrommel" (von einem gewissen Grass, Günter), findet.

Ausgezeichnet.

LG,
Auden James

PS: Und das ist nich nur meine Meinung, sondern auch die vieler vernünftiger Rezensenten bei Amazon, z.B. hier.
 
Last edited:
Eines der schlimmsten Bücher, das ich kenne. Ich finde, dass auf jeder Seite der Jurist unverkennbar durchkommt in Sachen Sprache. Das berührt nicht, das ist unaufgeregt, das ist konventionell, das ist banal, das ist langweilig. Und das plätschert so spannungslos dahin in einem rückblickenden bis erinnernden Berichtstil des Ich-Erzählers, für den nebenbei erwähnt Hypotaxe oder überhaupt irgendeine sprachliche Kreativität Fremdwörter zu sein scheinen. Schließlich die völlig mundfremde direkte Rede. Die Figuren reden nicht wie Menschen reden, sondern wie Figuren reden, wenn der Autor will, dass sie so reden, wie es der Autor von seinen figurenhaften Plotvehikeln will. Bäh.

Nach weiß ich 20 Seiten oder so war's für mich bereits eigentlich nicht mehr auszuhalten, und das will was heißen, denn damit zählt Schlinks "Vorleser" zu jenem erlesenen Privatclub, in dem sich auch das am meisten überbewertete und überhaupt beknackteste je zwischen zwei Buchdeckel gepresste und mit dem Literaturnobelpreis bedrückte deutsche Geschreibsel der Nachkriegszeit, namentlich "Die Blechtrommel" (von einem gewissen Grass, Günter), findet.

Ausgezeichnet.

LG,
Auden James

Wie alles im Leben ist es ebend individueller Geschmack.
Bei Grass muss ich dir recht geben, die Blechtrommel ist unterirdisch.
 
Wie alles im Leben ist es ebend (sic!) individueller Geschmack.
Bei Grass muss ich dir recht geben, die Blechtrommel ist unterirdisch.
Unterirdisch ist eine außerirdische Untertreibung.

Und nein, das ist keine Frage des Geschmacks, sondern eine des Verstands.

LG,
Auden James
 
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