Oli72 said:Aus dem Parlament, insbesondere von den Oppositionsbänken, ist prima Ideale haben. Steht man aber in der Verantwortung, muss man mit den harten Realitäten leben. Was meinst du, warum sich bei den Grünen in den letzten Jahren die Realos durchgesetzt haben? Nicht zuletzt, weil Regierungsarbeit -insbesondere in einer Koalition- Pragmatismus lehrt. Man muss Kompromisse schliessen zwischen dem, was man gerne machen möchte, und dem, was a)politisch durchsetzbar ist -sei es in der Koalition oder in der einen oder anderen Kammer des Parlaments
b)finanzierbar ist -sicher kann ich sagen "Freie Arztbehandlung für jeden", aber wer bezahlt's?
Wenn man weiss, dass man's nicht wahr machen muss, lässt es sich wunderbar Ideale verbreiten -gute oder schlechte. Sobald es aber heisst "Hic Rhodos, hic salta" ist Idealismus fehl am Platz. Genau durch die Unfähigkeit zu dieser Anpassung haben sich nicht zuletzt die Populisten von der FPÖ in Österreich selbst demontiert. Die waren eben nichts anderes als pure Parolen.
Idealismus - Populismus - Pragmatismus beschreibt doch aber genau den Konflikt der Politik allgemein. Und ich will mich hier gar nicht ueber das Chamaeleon Joerg Haider auslassen. Als Landeshauptmann von Kaernten hat der gar keine so schlechte Politik gemacht, sagen manche Kaerntner.
Es gibt sicher keine Schwarz-Weiss Idealkonstellation, aber im grossen Brei der grauen Mitte verschwimmen eben auch die Konturen der Parteien und ihre Koepfe werden immer austauschbarer. Die Folge ist u.a. die Verunsicherung des Wahlbuergers.
Da lobe ich mir doch einen Stroebele, der die Stimme erhebt und sagt, dies ist zwar nicht Rhodos, sondern der Balkan, aber ich springe trotzdem nicht. Ein Auslandseinsatz der Bundeswehr ist mit mir nicht zu machen. Nicht dass wir uns da falsch verstehen, ich war genau der entgegengesetzten Meinung, aber der Mann hat meinen Respekt.
Und eins ist sicher auch klar: auf der Regierungsbank sitzen heisst nicht, es allen Recht machen zu koennen. Es hat schon immer auch unpopulaere Entscheidungen gegeben, aber eben auch Entscheidungen, die auf den Vorhersagen der sogenannten Experten beruhen, wie z.B. der Wirtschaftsweisen (um Dein Stichwort akademische Veroeffentlichungen aufzugreifen), die sich dann im nachhinein als Seifenblasen entpuppen, oder eben als nicht so bluehende Landschaften.

